SAP hebt Prognose an
Wachstum an jeder Ecke

Bill McDermott verbreitet Optimismus: Der SAP-Chef sieht „Wachstum in allen Geschäftsaktivitäten“ und hebt die Jahresprognose an. Allerdings birgt die Bilanz fürs dritte Quartal auch Enttäuschungen.
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DüsseldorfDer Rückblick ist durchwachsen, der Ausblick aber verheißungsvoll. SAP hat im dritten Quartal die hohen Erwartungen der Analysten nicht erfüllt, trotzdem hebt der Softwarekonzern den Ausblick fürs gesamte Geschäftsjahr leicht an. „Wir sehen Wachstum an jeder Ecke unseres Geschäfts“, erklärte Vorstandssprecher Bill McDermott am Donnerstag bei der Vorlage der Zwischenbilanz. Das gelte für das Cloud-Geschäft genauso wie für die Softwareerlöse.

SAP stellt fürs laufende Geschäftsjahr nun einen Umsatz zwischen 23,4 und 23,8 Milliarden Euro in Aussicht, die Spanne liegt um 100 Millionen Euro höher als zuvor. Das Betriebsergebnis soll zwischen 6,85 und 7,0 Milliarden Euro liegen. Dabei lässt der Softwarekonzern aber Wechselkurseffekte außen vor. Auch Finanzchef Luka Mucic zeigte sich optimistisch: „Angesichts unserer Ergebnisse, unseres Portfolios und unserer Pipeline bin ich zuversichtlich, dass wir unsere mittelfristigen Ziele erreichen werden.“

Dabei sind die Zahlen fürs dritte Geschäftsquartal nicht so stark, wie von Analysten erhofft. Das Betriebsergebnis lag mit 1,64 Milliarden Euro lediglich auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums, der Umsatz wuchs um vergleichsweise bescheidene vier Prozent auf 5,59 Milliarden Euro. Auch die operative Marge, die viele SAP-Anleger genau im Blick haben, erfüllte die Erwartungen nicht.

Der Konzern verwies auf erhebliche negative Währungseinflüsse – der starke Euro macht sich bemerkbar, vor allem im Vergleich zum Dollar. „Das Cloud-Geschäft ist in den USA stark, daher machen sich die Effekte hier besonders stark bemerkbar“, sagte Finanzchef Luka Mucic dem Handelsblatt. Trotz des optimistischen Ausblicks reagierten die Anleger enttäuscht, der Aktienkurs gab bis zum Nachmittag um rund zwei Prozent nach, erholte sich danach aber etwas. Übers Jahr gesehen liegt das Papier aber immer noch 17 Prozent im Plus.

Am meisten erwirtschaftet SAP nach wie vor mit Softwarelizenzen und Support: Die Sparte wuchs um ein Prozent, währungsbereinigt um vier Prozent, auf 3,17 Milliarden Euro. Diese Stabilität ist durchaus bemerkenswert, da sich in der IT-Branche mit dem Cloud Computing ein Paradigmenwechsel abzeichnet: Anstatt Software zu kaufen, abonnieren sie immer mehr Unternehmen übers Netz.

Der deutsche Konzern profitiert von S4/Hana, einer neuen Version seiner Software zur Unternehmenssteuerung – im Fachjargon ERP –, die seit Anfang 2015 auf dem Markt ist. Die Zahl der Kunden stieg von Juni bis September um 600 auf 6900. 40 Prozent hatten zuvor kein ERP-System von SAP. Wie schon in der Vergangenheit erschließt sich der Konzern weiter neue Zielgruppen. Wie viel Umsatz S4/Hana einbringt, schlüsselt die Quartalsmitteilung aber nicht auf.

Das stärkste Wachstum verzeichnet SAP weiterhin mit dem Cloud Computing. Die Erlöse wuchsen um 22 Prozent auf 937 Millionen Euro. Die Kennzahl „New Cloud Bookings“, die bereits geschlossene, aber noch nicht verbuchte Verträge abbildet, lag mit einem Plus von 14 Prozent auf 302 Millionen Euro ebenfalls deutlich über dem Vorjahr. „Wir nehmen unseren Wettbewerbern Marktanteile ab“, sagte McDermott. Dabei handle es sich um organisches Wachstum, anders als bei vielen Konkurrenten.

Trotzdem entwickelte sich die Sparte nicht so, wie von den Analysten erwartet. „Einige größere Deals haben sich in das vierte Quartal verschoben“, sagte Mucic. Das sei Zeichen eines generellen Trends: „Manche Kunden wollen im dritten Quartal kurz Luft holen, bevor sie im vierten Quartal nochmal richtig loslegen.“ Das sei auch 2016 so gewesen. Der erhöhte Ausblick bestätigt den Optimismus.

Der Konzern machte zwischen 2010 und 2014 mehrere Milliardendeals, um sich für das Cloud Computing zu rüsten. Mit Success Factors übernahm er beispielsweise einen Anbieter für Personalsoftware, mit Concur eine Plattform für Reisebuchungen – nicht zuletzt, um das nötige Know-how zu gewinnen. Diese Strategie zahlt sich aus, wie das Wachstum zeigt.

Trotz aller starken Worte wird sich das Management aber weiter einer Diskussion über die Profitabilität stellen müssen. Die operative Marge fiel von 30,5 auf 29,3 Prozent – da hatten Experten Besseres erwartet. Die hohen Investitionen machen sich weiterhin bemerkbar: Der Konzern konsolidiert beispielsweise seine Rechenzentren, was zunächst Geld kostet, bevor es Einsparungen bringt. Die Chance sei gut, dass die Marge im vierten Quartal währungsbereinigt auf dem Vorjahresniveau liege, sagte Mucic. „Für das nächste Jahr sehen wir wieder steigende Margen.“ Das sei für das Unternehmen aber ohnehin nicht der wichtigste Wert: „Am wichtigsten ist, dass wir alle unsere Geschäftsmodelle weiter gut entwickeln können.“

Das ist ein Ausblick, den viele Aktionäre mit Sicherheit schätzen.

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