SAP-Konkurrent auf Kurs
Kreditkrise beeindruckt Oracle nicht

Oracle zeigt sich unbeirrt durch den Kreditsturm bei den Banken. Der Software-Riese hält an seinen ehrgeizigen Zielen fest: 20 Prozent Wachstum jährlich – und Fortsetzung der bisherigen Akquisitionsstrategie.

SAN FRANCISCO. Der amerikanische Software-Riese Oracle, führender Lieferant von Informationstechnologie für Finanzinstitute, sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass Banken nach den Milliardenabschreibungen für faule Hypotheken weniger investieren. Erst kürzlich hatten entsprechende Warnungen von Cisco für einen Kursrutsch bei Hightech-Aktien gesorgt. "Wir sind gegen eine wirtschaftliche Abschwächung heute viel besser gewappnet als noch Ende der 90er Jahre“, versicherte Oracle-Chef Larry Ellison.

In einer Präsentation vor Analysten zum Abschluss der diesjährigen Hausmesse OpenWorld in San Francisco betonten Ellison sowie Finanzchefin Safra Catz, dass die Probleme der Banken weder an der Strategie noch an den Erwartungen von Oracle etwas geändert hätten: "Wenn ein weltweiter Abschwung kommt, wären wir natürlich auch betroffen, aber nicht wie 1999, als unser Neugeschäft mit Lizenzen um ein Drittel einbrach“, sagte Catz. Das Ziel, jährlich um mindestens 20 Prozent zu wachsen, sei unverändert.

Ellison ließ keine Zweifel aufkommen, dass er seine bisherige Akquisitionsstrategie weiterfahren will. Oracle hat in knapp vier Jahren 41 Firmen geschluckt: "Wir kaufen Innovation und Marktpenetration“, sagte er. Allerdings, "die Preise steigen, weil andere uns imitieren. Übernahmen werden riskanter, aber wir bleiben im Markt“. Das Angebot für den Softwarekonkurrenten BEA Systems habe er sang- und klanglos auslaufen lassen und er würde es zum alten Preis nicht erneuern: "Wir waren die einzigen Kaufinteressenten und BEA ist heute weniger wert.“ Ohne Zweifel würde der Konsolidierungstrend im Softwarebereich anhalten: "Firmen wollen komplette Systeme und Service aus einer Hand.“

Ellison kontrastierte Oracles Strategie mit der des Erzrivalen SAP. Der deutsche Softwarekonzern suche neue Kunden bei kleinen und mittleren Firmen, "wir wollen dagegen unseren vorhandenen Kunden mehr Software verkaufen“. Das Ziel sei die Durchdringung aller Bereiche vom Betriebssystem bis zu den Anwendungen mit Oracle-Software. Je breiter die installierte Softwarebasis, umso höher die Einnahmen für die Pflege von Programmen: "Runde 10 Mrd. Dollar oder etwa die Hälfte unseres Umsatzes kommt bereits aus Dienstleistungen für installierte Systeme. In dem Geschäft machen wir die höchsten Gewinne.“

Der für flotte Sprüche bekannte Ellison (63), einer der reichsten Männer der Welt, der zusammen mit BMW eine Rennyacht sponsored und ein eigenes Kampfflugzeug in der Garage hat, denkt nicht an Ruhestand. Auf eine entsprechende Frage sagte er nur halb im Scherz: "Wenn wir den Status erreicht haben, den früher IBM als Maß aller Dinge im IT-Bereich hatte, dann höre ich auf.“

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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