SAP
Software-Riese in der Kursfalle

SAP wächst so stark wie die Konkurrenz - allein im dritten Quartal legte der Umsatz mit dem Verkauf neuer Lizenzen um 25 Prozent zu. Doch die Börse honoriert dies nicht. Bleibt der Kurs im Keller, wird der Konzern angreifbar. Konkurrenten mit prall gefüllten Kassen lauern schon.
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FRANKFURT. Freude und Sorge liegen in der IT-Branche eng beisammen. Noch am Dienstag hatte die Software AG, der zweitgrößte deutsche Software-Hersteller Deutschlands, die Investoren mit seinen Zahlen zum Jubeln gebracht. Gestern enttäuschte der Branchenprimus SAP mit seinen Aussagen zur Prognose. Es gab lediglich die Bestätigung von bereits Bekanntem. Einige Analysten hatten mit einer Anhebung der Ziele gerechnet.

Die Kursreaktion folgte auf dem Fuße. Über drei Prozent gab die SAP-Aktie bis zum frühen Nachmittag nach. Der ewige Zweite in Deutschland, die Software AG, hatte es am Dienstag auf ein Plus von sieben Prozent geschafft. Dieser Unterschied macht deutlich: SAP steckt im Dilemma.

Die Zahlen, die die Konzernzentrale meldete, waren nicht schlechter als die der Konkurrenz. Im dritten Quartal legte der Umsatz mit dem Verkauf neuer Lizenzen um 25 Prozent auf 656 Millionen Euro zu. Das ist wichtig, weil sich aus der neu installierten Software margenstarkes Wartungsgeschäft ergibt. Die Software AG dagegen erreichte hier im dritten Quartal nur ein Plus von 16 Prozent. Erzrivale Oracle wiederum, der ein versetztes Geschäftsjahr hat, steigerte die Lizenzerlöse im jüngsten Quartal wie SAP um ein Viertel.

Kurs ist seit fünf Jahren kaum gestiegen

Ähnlich sieht es beim Gewinn aus. Sondereffekte sind ausgeklammert, denn SAP darf die Wartungserlöse des Zukaufs Sybase nicht voll konsolidieren. Das Ergebnis nach Steuern stieg um 21 Prozent auf 605 Millionen Euro. Die Software AG schaffte ebenfalls ein Plus von 20 Prozent, ebenso Oracle. "Es ist das dritte Quartal in Folge mit deutlichem Wachstum. Und die Deals werden wieder größer", sagte Jim Hagemann Snabe, der mit Bill McDermott die neue Doppelspitze von SAP stellt.

Doch während die Investoren Zuversicht und Erfolg bei den Rivalen feiern, bleiben sie bei SAP vorsichtig. "Da SAP den Ausblick bestätigt hat, sehen wir keinen Grund für eine Überarbeitung unserer Schätzungen", schreibt Heiko Feber vom Bankhaus Lampe. Kursfantasien klingen anders.

Für SAP ist das eine gefährliche Entwicklung. Bleibt der Kurs am Boden, wird der einzige deutsche Softwarekonzern in der globalen Spitzenliga angreifbar. Die SAP-Gründer, die noch 24,6 Prozent an SAP halten, wissen das. Anfang des Jahres hatte Aufsichtsratschef Hasso Plattner dem umstrittenen SAP-Chef Leo Apotheker die Vertragsverlängerung verweigert. Die neue Doppelspitze soll sich wieder stärker um die Kundenbelange kümmern. Klares Ziel der Aktion: SAP soll ein eigenständiges Unternehmen bleiben.

"Wir sind so stark wie niemals zuvor!"

Wie wichtig das ist, weiß auch McDermott. "Die Unabhängigkeit, die Innovationskraft und die Schnelligkeit sind das, was dem Kunden nutzt", sagte er dem Handelsblatt. Und fügte hinzu: "Wir sind so stark wie niemals zuvor, und wir bleiben ein selbstständiger Software-Anbieter."

Doch die Börse spricht eine andere Sprache. Zwar legte der Kurs seit der Berufung der Doppelspitze um fast 20 Prozent zu. Doch über die letzten fünf Jahre legte die Aktie gerade einmal von 35 auf 37 Euro zu. Oracle schaffte im selben Zeitraum eine Verdoppelung, Software AG sogar 150 Prozent.

48 Milliarden Euro kostet SAP derzeit an der Börse. Ein großer Brocken, aber kein unverdaulicher für einige IT-Riesen. Gerade erst hat die Ratingagentur Moody?s Daten über die Barreserven amerikanischer Unternehmen publiziert. Ganz vorne dabei ist die IT-Industrie. Cisco verfügt über 39,86 Milliarden Dollar, Microsoft hat 36,79 Milliarden Dollar in der Kasse und Google noch 30,06 Milliarden Dollar.

Microsoft wird Interesse nachgesagt

Vor allem Microsoft wird immer wieder als potenzieller SAP-Interessent genannt, hatten beide Unternehmen doch bereits vor einigen Jahren über ein Zusammengehen gesprochen. Gerade erst hat SAP-Mitgründer Klaus Tschira das Szenario befeuert. "SAP hätte einen Wettbewerber weniger, weil beispielsweise Microsoft die Programme, die in Konkurrenz zu SAP-Software stehen, nach einem möglichen Kauf von SAP bestimmt nicht weiterführen würde. Das wäre ja erst einmal nicht schlecht", sagte er im Gespräch mit der "Wirtschaftswoche", verneinte allerdings konkrete Verkaufsabsichten.

Interesse an SAP wird auch dem IT-Riesen Hewlett-Packard nachgesagt - vor allem, nachdem Ex-SAP-Chef Apotheker dort in die Position des CEO gehoben wurde. Apotheker wird aber zunächst in anderer Sache mit seinem früheren Arbeitgeber konfrontiert: in dem am Montag beginnenden Prozess von Oracle gegen SAP. Der US-Konzern wirft den Deutschen vor, über eine frühere Tochter Daten von Oracle-Rechnern entwendet zu haben. Oracle-Chef Larry Ellison will Apotheker als Zeugen vor die Jury zerren - er werde beweisen, dass Apotheker das System, mit dem die Daten entwendet wurden, im Blick gehabt habe, tönte Ellison gestern lautstark.

SAP schweigt. Welche neuen Belastungen am Ende drohen, keiner weiß es derzeit so genau. Doch vorsorglich hat SAP im vorigen Quartal schon mal die Rückstellungen aufgestockt: um 60 auf nun 160 Millionen Dollar.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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