SAP steuert um
Mehr Cloud, weniger Gewinn

Jetzt investieren, später verdienen: Der Software-Konzern SAP erfindet sich neu. Er setzt voll aufs Cloud Computing statt auf den Verkauf von Software. Das kostet jedoch – die Zahlen schlagen den Anlegern aufs Gemüt.
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DüsseldorfSAP wettet seine Zukunft auf das Geschäft mit dem Cloud Computing – und nimmt dafür Einbußen in der Gegenwart in Kauf. Dieser Trend machte sich auch im zweiten Quartal bei dem Software-Hersteller bemerkbar: Der Dax-Konzern steigerte den Betriebsgewinn um vergleichsweise schwache 13 Prozent auf 1,39 Milliarden Dollar, ohne Währungseffekte um nur ein Prozent. Auch die operative Gewinnmarge fiel mit 14,1 Prozent schlechter aus als bei SAP gewohnt. Immerhin stieg der Umsatz deutlich auf 4,97 Milliarden Euro, wie SAP am Dienstag mitteilte –das wachsende Cloud-Geschäft und der starke Dollar halfen. Die Anleger reagierten skeptisch, die Aktie gab am Morgen nach.

Das SAP-Management um Bill McDermott krempelt den deutschen Konzern derzeit um: Es will künftig immer mehr Software und Dienstleistungen per Abonnement übers Internet anbieten, also aus der Cloud – gerade in den USA, dem wichtigsten Software-Markt der Welt, ist dieses Modell gefragt. Dort ist aber auch die Konkurrenz groß. Dafür stemmte SAP in den vergangenen Jahren mehrere Übernahmen. Ende 2014 kaufte der Konzern etwa das US-Unternehmen Concur, dessen Software bei der Buchung und Abrechnung von Geschäftsreisen hilft.

Diese Strategie zeigt Erfolge: Im zweiten Quartal erwirtschaftete SAP mit der Cloud 555 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Vor allem in den USA wirtschaftete SAP erfolgreich. Das Geschäft mit dem Verkauf von Software-Lizenzen legte dagegen nur um 3 Prozent zu, steuerte allerdings immer noch den Großteil zum Umsatz bei.

Allerdings schlägt die Umstellung auf den Gewinn: Die Cloud-Einnahmen verteilen sich über einen längeren Zeitraum als beim Lizenzverkauf, die Kosten schlagen aber jetzt zu Buche, etwa für neue Rechenzentren und den Vertrieb. Deswegen hatte SAP im ersten Quartal eine eigene Kennzahl geschaffen: Die neuen Cloud-Buchungen zeigen, wie viel zusätzliches Geschäft das Unternehmen herangeschafft hat; auch wenn die Umsätze über einen längeren Zeitraum verbucht werden und somit nicht gleich in der Bilanz stehen. Auch dieser Indikator zeigt nach oben: SAP verbuchte ein Plus von 162 Prozent auf 203 Millionen Euro.

Zudem will SAP 2000 Stellen im bisherigen Kerngeschäft streichen. Die Restrukturierung soll im Laufe des Jahres zwischen 470 und 530 Millionen Euro kosten. Der Großteil sei aber bereits im ersten Halbjahr angefallen, sagte SAP-Finanzchef Luka Mucic. Die Einsparungen sollen einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag einbringen. Der volle Effekt werde sich aber erst ab 2016 zeigen, sagte Mucic. Im kommenden Jahr sei keine größere Restrukturierung mehr zu erwarten – kleinere Anpassungen dürften indes angesichts der Veränderungen kaum zu vermeiden sein.

Derzeit arbeitet SAP an der wichtigsten Markteinführung seit Jahren: Der Konzern bringt mit S4/Hana die neue Generation seiner Business Suite heraus, mit der Firmen ihre Prozesse steuern können. Derzeit sind noch nicht alle Elemente fertig, trotzdem vermarktet der Konzern sein neues Kernprodukt bereits. Seit Jahresanfang habe man 900 Kunden gewinnen können, davon 530 im abgelaufenen Quartal, teilte SAP mit. Wie viele davon die Cloud-Version nutzen, schlüsselte der Konzern nicht auf.

Wie schon zu Jahresanfang profitierte SAP vom starken Dollar. Allerdings wird der Konzern nicht dauerhaft von diesem Effekt profitieren: Finanzchef Luka Mucic erwartet eine Abschwächung in der zweiten Jahreshälfte.

Die Aktie tendierte am Morgen mehr als ein Prozent im Minus und gehörte zu den schwächsten Titeln im Dax. Der Gewinn lag nur am unteren Ende der Erwartungen, das ist für die erfolgsverwöhnten Anleger offenbar zu wenig. Dahinter steckt auch die Befürchtung, dass das Cloud-Geschäft nicht so profitabel ist wie der Verkauf von Lizenzen.

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