SAP vs. Oracle
Jetzt ist die Jury am Zug

Nach drei Wochen Schlammschlacht vor Gericht haben Oracle und SAP ihre abschließenden Argumente vorgelegt. Nun geht der milliardenschwere Streit an die Jury. Eine Entscheidung könnte schon nächste Woche fallen. Für den deutschen Softwarekonzern SAP steht viel auf dem Spiel.
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HB/asd OAKLAND. Von Anfang an ging es eigentlich nur ums Geld. SAP hatte bereits eingeräumt, dass ihre mittlerweile aufgelöste Tochter Tomorrow Now (TN) unerlaubt Daten vom Erzrivalen Oracle entwendet hatte. 40 Millionen Dollar ist SAP bereit dafür zu zahlen. Oracle verlangt jedoch deutlich mehr: Mindestens 1.65 Milliarden Dollar sollen die Deutschen aufbringen. Der Schutz von geistigem Eigentum sei immerhin „das Herz der Software-Industrie“, betonte Oracles Anwalt David Boies am Montag.

Oracles Gründer und Chef Larry Ellison hatte das Gerichtsverfahren in ein medienwirksames Theater verwandelt, um den Ruf von SAP in den USA zu beschädigen und den von SAPs ehemaligem Chef Leo Apotheker gleich mit. Er wollte beweisen, dass Apotheker von dem Datenklau wusste, ihn jedoch monatelang geduldet haben soll. Bei seinem Auftritt vor Gericht Mitte November blieb er die Beweise jedoch schuldig.

Ellison habe Zahlen „aus der Luft gegriffen“, als er schätzte, dass SAP seinem Unternehmen Milliarden schuldet, sagten die Anwälte der Deutschen. An einem Punkt hatte er 4 Milliarden Dollar von SAP gefordert – eine Zahl, die selbst von Oracles eigenen Experten als zu hoch eingeschätzt worden sei. Ellison „hat die Zahl einfach genannt. „Als ob Sie es glauben müssten, nur weil er es sagt“, sagte SAPs Anwalt Robert Mittelstaedt der Jury in seinem Abschluss-Statement.

Oracle hatte wochenlang vergeblich versucht, Leo Apotheker in den Zeugenstand zu rufen. Apotheker begann am 1. November sein Amt als Vorstandschef bei Oracles Konkurrenten Hewlett-Packard. Genau am gleichen Tag begann auch der Prozess im kalifornischen Oakland. Einem Medienbericht zufolge soll Ellison sogar private Ermittler auf Apotheker angesetzt haben. Der frühere SAP-Chef hatte am Montag seinen ersten öffentlichen Auftritt, als der die Quartalszahlen von HP vorstellte.

Oracle hatte SAP im Frühjahr 2007 verklagt, nachdem Mitarbeiter der kleinen Software-Wartungsfirma Tomorrow Now über das Internet unrechtmäßig Updates bei Oracle herunter geladen hatte. Oracle hatte zunächst von Industriespionage gesprochen, zuletzt die Rhetorik jedoch etwas zurückgefahren.

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