SAP
Wolkig mit Aussicht auf spätere Gewinne

SAP steckt den Kopf in die Wolke: Der IT-Riese installiert seine Software immer seltener auf den Rechnern von Firmen – und vermietet sie immer öfter über die Cloud. Das Jahresergebnis zeigt: Die Umstellung wird teuer.
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DüsseldorfMorgens auf dem Smartphone noch mal die Präsentation durchblättern, am Feierabend auf dem Tablet-Computer am Sitzungsprotokoll feilen: Viele Arbeitnehmer tun auch außerhalb des Büros etwas für den Job – und legen die Dateien bei Online-Speicherdiensten wie Dropbox oder Google Drive ab. Dem will SAP etwas entgegensetzen: Der deutsche Primus für Geschäfts-Software bietet seit einem Jahr ein System an, mit dem Dokumente in der Cloud abgelegt werden können. Eine Art Festplatte im Internet – aber sicher und auf Servern im Inland.

Für SAP ist der Dienst Mobile Documents nur ein Produkt unter vielen. Und doch ist er bezeichnend dafür, wie sich der einzige deutsche IT-Konzern von Weltrang derzeit verändert: Das Unternehmen, das bislang vor allem am Verkauf von Software-Lizenzen verdient, bietet Firmenkunden immer mehr Cloud-Dienste an, für die monatliche Gebühren fällig werden. Vermieten statt verkaufen lautet die Devise. Ab 2020 werde das neue Modell mehr zum Umsatz beisteuern als das angestammte Geschäft mit Verkauf und Wartung von Software, sagte Konzernchef Bill McDermott am Dienstag.

Mit diesem neuen Geschäftsmodell reagiert SAP auf einen grundlegenden Wandel auf dem Software-Markt. Immer häufiger verzichten Firmen darauf, Programme auf ihren eigenen Computern oder Servern zu installieren – sie greifen auf Software, aber auch Speicher oder Rechenkapazitäten im Internet zu. Doch die aktuellen SAP-Jahreszahlen zeigen: Die Umstellung dauert und kostet, der Gewinn wächst langsamer als bislang versprochen.

Die Chancen sind in der Tat groß. Nach Einschätzung von IBM wird der Cloud-Markt bis 2020 auf 200 Milliarden Dollar Umsatz wachsen, Marktforscher gehen ebenfalls von einem explosiven Wachstum aus. „SAP ist getrieben von den Kundenbedürfnissen“, sagt Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Insbesondere die Klientel in Nordamerika ist sehr offen gegenüber Cloud-Lösungen.“ Der Geist des Silicon Valley zeigt Wirkung.

Diverse Start-ups haben vorgemacht, wie es geht, Dropbox etwa, das mit seinem Online-Speicher zunehmend Firmenkunden gewinnen will; oder Salesforce, das mit seiner Vertriebslösung im Netz SAP und Oracle Konkurrenz macht. Auch Amazon mischt mit und vermarktet seine eigene massive IT-Infrastruktur. Und Risikokapitalgeber investieren kräftig. Darauf haben die Riesen reagiert: Auch Microsoft steckt beispielsweise den Kopf in die Datenwolke, SAP ist dank der milliardenschweren Übernahmen von Ariba und Success Factors im Geschäft.

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Marktanteil statt Marge

Kommentare zu " SAP: Wolkig mit Aussicht auf spätere Gewinne"

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  • Das hängt von der Umsetzung ab. Nicht alle Cloud-Server stehen beispielsweise in den USA. Unternehmen werden aber sicher genau prüfen, welche Daten sie auslagern - das steht ja auch im Text.

    Redaktion Handelsblatt

  • nur weil ein paar firmen aus kosten (lizens)gründen die wolke wählen, wird daraus ein gnadenloses "immer seltener" gemacht um den Michel ganz langsam auf die wolke einzustellen. perfekt sozusagen.

    Computer vereinfachen unser leben nicht, sie übernehmen unser leben und beschäftigen uns damit wir keine zeit mehr haben um noch etas anderes zu merken.

  • Wer trotz der Datenspionageskandale noch auf Clouds setzt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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