Satire-Magazin wird 25 Jahre alt
Angela Merkel auf der Titanic

Das Satire-Magazin Titanic wird 25 Jahre alt. Chferedakteur Martin Sonneborn setzt zur Zeit ganz besonders auf Angela Merkel und den hessischen Ministerpräsident Roland Koch. Über Bundeskanzler Gerhard Schröder sagt er: „Der ist so klein, dass er kein Titelblatt füllen kann".

HB FRANKFURT/MAIN. Der „Titanic“, die in Frankfurt erscheint, sind in den 25 Jahren einige der selbstgeschaffenen Opfer ihres beißenden Spotts abhanden gekommen. Noch vor ihrem Abtreten aus der großen Politik galt dies für Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher: Während der Ex- Bundeskanzler als „Birne“ abqualifiziert worden war, erhielt der Ex- Außenminister mit der Comic-Helden „Genschman“ quasi eine neue Identität. Die Alter Egos der beiden verselbstständigten sich dank eifrigen Einsatzes des Satire-Blatts im Lauf der Zeit. Auch andere Stars des selbst ernannten „endgültigen Satiremagazins“ sind ein wenig in Vergessenheit geraten. So „Zonen- Gabi“, die nach der Wende stolz „meine erste Banane“ präsentierte. Die konnte jeder als geschälte Gurke identifizieren. Genauso ist der Auftritt des damaligen Chefredakteurs Bernd Fritz bei der TV-Show „Wetten dass...“ 17 Jahre danach etwas verblasst: Fritz wollte die Farben von Buntstiften an deren Geschmack erkennen.

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Dass solche Frechheiten auch Folgen haben können, darauf sind die Blattmacher, derzeit acht Redakteure, besonders stolz. „Titanic“ sei die verbotenste Zeitschrift Deutschlands, betonen sie. Von den bisher rund 300 Ausgaben sind über 30 verboten oder dürfen nicht mehr ausgeliefert werden. Rechtliche Auseinandersetzungen focht das Blatt unter anderen mit „Focus“-Chefredakteur Helmut Markwort, dem 2 000 gestorbenen Erzbischof von Fulda, Johannes Dyba, und Unternehmen wie Haribo und McDonalds aus.

Die „Titanic“ fühlt sich ihren Gründervätern, den Satirikern Robert Gernhardt, Friedrich Karl Waechter, Hans Traxler, Peter Knorr und dem in diesem Jahr gestorbenen Chlodwig Poth verpflichtet. Von Poth stammt auch das Motto, das jedes Impressum der Zeitschrift ziert: „Die endgültige Teilung Deutschlands - das ist unser Auftrag“. Dies ist auch das erklärte politische Ziel der vom Redaktionsteam gegründeten Partei „Die Partei“, die erstmals bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr in Nordrhein-Westfalen an den Start gehen will. Sonneborn hält NRW für das ideale Startfeld: „Das sind die ruinierten westdeutschen Randgebiete, in denen mit unseren populistischen Forderungen am meisten zu holen ist.“

Probleme sieht Sonneborn dagegen in den ostdeutschen Bundesländern. Direkt nach der Wende sei dort die „Titanic“ gut verkauft worden. „Dann haben wir den Verkauf da einstellen müssen, da er zurückging, weil die Leute das nicht verstanden haben.“ Also hat das Satire-Magazin von der Wende nicht profitieren können: Die verkaufte Auflage blieb wie seit Jahren um 60 000 Exemplare. „Mehr als 60 000 ist in Deutschland nicht zu holen“, meint Sonneborn. Da nützt es auch nichts, dass in jedem Heft dazu aufgerufen wird, Abos anderer Zeitschriften („überflüssige Presseprodukte“) zu kündigen. Im Jubiläumsheft, das am 29. Oktober erscheint, werde das Magazin nach den Stimmengewinnen rechter Parteien in Brandenburg und Sachsen Deutschland ein Geschenk machen: „Wir haben telefonisch mit der Entnazifizierung der Zone begonnen.“ Sonneborn sagt, er habe im Osten Menschen angerufen, sich mit seinem Namen und dem Zusatz „Innenministerium, Amt für Entnazifizierung“ vorgestellt und über Demokratie reden wollen. Seinen Erfolg stellt er so dar: „Demokratie, nö und zack aufgelegt.“

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