Sattelberger machte es möglich
Verdi begräbt das Kriegsbeil wieder

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will nach fast fünfwöchigen Streiks wieder mit der Deutschen Telekom über die Zukunft der Service-Mitarbeiter des Konzerns verhandeln. Leicht gemacht haben es sich die Arbeitnehmervertreter mit dieser Entscheidung nicht. Die Zeit für eine Lösung ist allerdings auch extrem knapp.

HB BONN. Während Telekom-Chef René Obermann auf einer Fachtagung in Düsseldorf seine Strategie vorstellt, rauchen in einem Bonner Hotel die Köpfe der Verdi-Tarifkommission: Daumen rauf oder Daumen runter für neue Verhandlungen mit der Telekom über den geplanten Stellenumbau beim Bonner Konzern. Am Nachmittag dann grünes Licht für die Verdi-Verhandlungskommission unter Führung von Lothar Schröder, mit dem Management offizielle Gespräche über die Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen in Service-Betriebe wieder aufzunehmen.

„Nachdem erkennbar ist, dass sich die Telekom nach wochenlangem Streik auf Verdi zubewegt, sind wir bereit, uns an den Verhandlungstisch zu setzen“, sagte Schröder. Diese Linie der Gewerkschaft hatte sich bereits seit einigen Tagen angedeutet, nachdem der neue Personalchef der Telekom, Thomas Sattelberger, mit einem nachgebesserten Angebot hierzu das Signal gegeben hatte.

Seit einem Monat wird bei dem Bonner Riesen gestreikt, weil der Vorstand den Beschäftigten einiges abverlangt. Sie sollen ab dem 1. Juli in neue Service-Töchter wechseln und dort länger zu ungünstigeren Bedingungen arbeiten, sprich für weniger Geld. Obermann hat der Telekom einen strikten Sparkurs verordnet, damit das Unternehmen und vor allem die angeschlagene Festnetzsparte im Wettbewerb bestehen kann. Zwischen 500 Millionen und 900 Millionen Euro will der Telekom-Chef durch Einschnitte bei den Gehältern und dem Hereinholen von Fremdarbeiten in den Konzern einsparen.

Den Weg zurück an den Verhandlungstisch bereitete Sattelberger, indem er Verdi ein verbessertes Angebot mit einem Erfolgsbonus und Investitionen in die Weiterbildung in Aussicht stellte. Damit wurde Verdi eine Brücke für den Wiedereinstieg in Gespräche gebaut. „Beide Seite müssen ihr Gesicht wahren können“, lautet die Devise von Sattelberger. Das heißt, Verdi muss einen Kompromiss seinen Mitgliedern als Erfolg verkaufen können und die Telekom darf ihre Sparziele nicht aus dem Auge verlieren.

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