SBS-Sanierung
Die nächste Großbaustelle bei Siemens

Nach dem Handy-Verkauf muss der größte deutsche Technologiekonzern jetzt seinen IT-Dienstleister sanieren.

Mit Siemens ist es wie mit deutschen Autobahnen: Kaum ist die eine Baustelle fertig, da entsteht anderenorts die nächste. Freie Fahrt, sprich gute Zahlen über alle Bereiche hinweg, gab’s im größten deutschen Technologiekonzern in den vergangenen Jahren so gut wie nie. Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will das nun mit aller Macht ändern. In knapp zwei Jahren, verspricht der Manager, sollen alle Sparten auf Kurs und die intern gesetzten Renditeziele erreicht sein.

Eine Großbaustelle hat Kleinfeld bereits abgeschlossen: Das hoch defizitäre Handygeschäft übernimmt der Taiwaner Elektronikproduzent BenQ. Siemens wird damit auf einen Schlag einen wichtigen Verlustbringer los und sorgt automatisch für bessere Zahlen in der größten Konzernsparte, der Kommunikation.

Doch die nächsten tiefen Löcher werden sich kaum ähnlich zügig zuschütten lassen. Vor allem bei den verlustreichen Siemens Business Services (SBS) steht Kleinfeld vor einer kniffeligen Aufgabe. Eine einfache Lösung, sich wie bei den Handys von einem Verlustbringer zu trennen, ist nicht in Sicht. Dazu ist das Geschäft viel zu stark in den Konzern eingebunden.

So ist SBS oft mit im Boot, wenn andere Siemens-Bereiche Angebote für große Projekte abgeben. SBS übernimmt dann wichtige Querschnittsfunktionen in der Informationstechnologie. Gerade Kleinfeld hat dem Konzern auf die Fahnen geschrieben, vermehrt die Kräfte der einzelnen Bereiche zu bündeln, beim Kunden gemeinsam aufzutreten und Komplettlösungen anzubieten. Ein Technologiekonzern wie Siemens ohne eigenes IT-Know-how an Bord ist dabei kaum vorstellbar.

Dazu kommt, dass SBS jüngst zahlreiche große Outsourcing-Verträge mit renommierten Kunden wie der britischen Fernsehanstalt BBC abgeschlossen hat. Solche langfristigen Vereinbarungen kamen nicht ohne ein klares Bekenntnis von Siemens zustande, das Geschäft langfristig weiter zu betreiben.

Doch das ist noch nicht alles: SBS übernimmt viele zentrale IT-Dienstleistungen für das gesamte Unternehmen. Rund ein Viertel des Jahresumsatzes von zuletzt 4,7 Milliarden Euro erwirtschaftet SBS mit internen Aufträgen. Zuletzt hat die Konzernführung die Stellung von SBS als interner Dienstleister sogar noch deutlich gestärkt.

Das alles spricht dafür, dass Siemens SBS nicht zerschlägt, sondern selbst wieder auf die Beine stellt. Obwohl noch kein umfassendes Konzept vorliegt, wird bereits kräftig an der Sanierung gearbeitet. Um die Personalkosten zu senken, müssen dieses Jahr 950 Leute gehen. Gleichzeitig soll die Produktivität durch neue, verbesserte Prozesse kräftig steigen. Allerdings drängt die Zeit, denn der IT-Dienstleister musste zum Jahresauftakt einen Quartalsverlust von 129 Millionen Euro hinnehmen. Da ein Umbau deutlich länger dauert als ein Verkauf, wird Kleinfeld mit der Baustelle SBS in nächster Zeit leben müssen. Doch er wird alles daran setzen, in zwei Jahren fertig zu sein.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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