Scan-Projekt
Google und Verlage stehen vor Einigung

Der seit Monaten schwelende Streit um die Digitalisierung von nicht mehr im Handel erhältlichen Büchern durch den Internetgiganten Google steht vor einer Lösung. Ein neuer US-Vergleichsvorschlag nimmt offenbar deutschsprachige Bücher von Scan-Projekt aus.
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DÜSSELDORF. Am nächsten Freitag wollen Google und der amerikanische Verleger- und Autorenverband dem New Yorker Gericht einen überarbeiteten Vergleichsvorschlag machen. "Die Parteien waren in Diskussionen mit dem Justizministerium", teilten die Anwälte dem New Yorker Gericht in einem Schreiben mit, das dem Handelsblatt vorliegt. Der mit dem Fall beauftragte Richter Denny Chin gab der Bitte um einen Zeitaufschub statt.

Der Vergleich zwischen Google und den Autoren sowie Verlagen in den USA ist für die Branche von höchster Bedeutung. Durch das "book settlement" hätte Google die Möglichkeit, gegen die Zahlung einer pauschalen Summe von 125 Mio. Dollar sogenannte "verwaiste Bücher" einzuscannen und ins Internet zu stellen. Gegen das drohende Quasi-Monopol von Google hatte sich nicht nur das US-Justizministerium gewandt, sondern auch die französische und deutsche Regierung. Verlags- und Autorenverbände wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels machten ihrem Ärger über das eigenmächtige Vorgehen von Google wiederholt Luft.

Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab. Nach Informationen aus Kreisen des Börsenvereins werden bei dem neuen Vergleich offenbar nicht englischsprachige Bücher ausgeklammert. Damit müsste Google dann beispielsweise mit deutschen Autoren und Verlagen ein gesondertes Abkommen schließen.

Ein solcher Kompromiss wird auch von der Bundesregierung unterstützt. Die frühere Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte bereits vor Monaten an das New Yorker Gericht einen sogenannten Amicus-Curiae-Schriftsatz gesandt. "Wir hoffen, dass das Gericht die Billigung des Vergleichs insgesamt ablehnt oder zumindest unsere deutschen Autoren und Verleger aus der sogenannten ,class? herausnimmt, damit die Folgen des Vergleichs sie nicht treffen", formulierte Zypries damals. Hat diese Eingabe nun Erfolg, können deutsche Autoren und Verleger selbst entscheiden, ob sie ein Werk von Google scannen lassen.

Nicht alle Marktteilnehmer sträuben sich gegen die Google-Buchpläne. Der IT-Verband Bitkom beispielsweise unterstützt den Internetgiganten. "Sowohl das Buchprojekt von Google als auch europäische Initiativen bieten Chancen, Kulturgüter über das Internet besser zugänglich zu machen und Verlagen neue Einnahmequellen zu eröffnen", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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