Schadsoftware
Lukrative Bösewichte

Die Schadsoftware Stuxnet zeigt: IT-Sicherheit ist wichtiger denn je. Schutzanbieter wie Kaspersky verdienen glänzend, das lockt große Konzerne an. Welche Gefahren das Geschäft der Sicherheitsanbieter beflügeln.
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MÜNCHEN/FRANKFURT. Eugene Kaspersky hat sich sein ganzes Berufsleben lang mit Würmern, Trojanern und anderen virtuellen Angreifern befasst. Eine Schadsoftware wie "Stuxnet" ist dem Eigentümer der russischen Antiviren-Firma Kaspersky Lab aber noch nie untergekommen. "Das Programm ist so gut gemacht, das riecht danach, dass es von Geheimdiensten entwickelt wurde", sagt er.

Stuxnet sorgt seit Monaten für Aufsehen unter Fachleuten, weil die Software riesige Industrieanlagen lahmlegen kann. So wird spekuliert, sie ziele eigentlich auf das iranische Atomkraftwerk Buschehr. Eine Bestätigung dafür gibt es zwar nicht. Doch allein die Existenz von Stuxnet zeigt, dass die Angriffe aus den Tiefen des Internets eine ganz neue Dimension bekommen.

Es ist nur ein Beispiel für neuartige, gefährliche Schadsoftware, gegen die sich Firmen ebenso wie PC-Nutzer zuhause rüsten. Der Markt für solche Schutzsoftware wächst rasant - und um die besten Programme und Anbieter ist ein wahrer Kampf entbrannt.

Chip-Weltmarktführer Intel zahlte im August mehr als sieben Mrd. Dollar für McAfee, die Nummer zwei für Sicherheitssoftware. Analysten sind verblüfft, dass Intel sich in den völlig neuen Bereich wagt. Kurz darauf hat sich Hewlett-Packard Arc- Sight für 1,5 Mrd. Dollar einverleibt, einen weiteren Spezialisten für IT-Sicherheit.

Branchenkenner sind überzeugt, dass die Konzerne weiter zukaufen werden. "Jeder der derzeit führenden Sicherheitsanbieter wird wohl über kurz oder lang bei einem Großen landen", sagt Walter Denk, Deutschland-Chef des IT-Dienstleisters PC-Ware. Der Grund: "Die Kunden fordern Komplettlösungen."

Gefährlicher Trend zur Mobilität

Dieses Jahr werden die Unternehmen weltweit mehr als 16 Mrd. Dollar für Sicherheitssoftware ausgeben, nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz Krise sei das Geschäft auch 2009 um sieben Prozent gewachsen. In den nächsten Jahren werde sich der Trend fortsetzen.

Sorgen um mobile Sicherheit

Es sind nicht nur die raffinierten Angriffe, die das Geschäft beflügeln. Auch der technische Fortschritt sorgt dafür, dass Unternehmen mehr für IT-Sicherheit ausgeben müssen. Geht es nach großen IT-Konzernen wie etwa dem Softwarehersteller SAP, werden Manager ihre Unternehmen und Abteilungen schon bald zu einem großen Teil über Programme auf tragbaren Geräten wie Smartphones steuern - das öffnet neue Sicherheitslücken.

Die Kunden warnen bereits. "Alles entwickelt sich in Richtung Mobilität, daran besteht kein Zweifel. Aber es muss sichergestellt sein, dass unsere Daten auch sichere Wege nehmen werden", sagt Karl Liebstückel, der Vorsitzende der SAP-Anwenderorganisation DSAG.

Das Kernproblem: In den meisten Firmen ist die IT-Sicherheit stark auf die realen Grenzen des Unternehmens beschränkt. Im Mittelpunkt der Sicherheitsstrategie steht häufig die sogenannte Firewall, der Zaun, der die Rechner und das Netz hinter den Türen der Unternehmen schützt. "In der modernen Welt sind aber die mobilen Geräte der neue Angriffspunkt", sagt Wolfgang Straßer, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens @-yet.

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  • Zitat: "So wird spekuliert, sie ziele eigentlich auf das iranische Atomkraftwerk buschehr".

    Maßnahmen gegen die atomare Rüstung des iran treffen auf Verständnis. Nun ist China aber betroffen - zeitgleich mit den Strafmaßnahmen der USA. Obwohl keineswegs feststeht, dass der Virus in den USA entwickelt und von dort verbreitet worden ist, hat der Vorgang besondere brisanz wegen der zeitlichen Nähe zu den US-Strafmaßnahmen. Die Titelzeile eines Leitartikels hat dafür den begriff "Krieg" verwendet. Vermutlich wird China nun erhebliche Anstrengungen leisten, um Software-Produkte aus Drittstaaten durch Eigenentwicklungen abzulösen. Angesichts der Vielzahl von Anwendungen im Riesenreich lohnt das vermutlich sogar aus wirtschaftlicher Sicht und erschließt neue Exportchancen. Die bisher marktbeherrschenden Software-Anbieter werden deshalb im interesse des Erhalts ihrer Marktposition nachdrücklich auf die Offenlegung des Virusentwicklers drängen müssen, um nicht als fahrlässige Wegbereiter für Saboteure zu gelten. Softwareentwicklung ist hinsichtlich der Ressourcenbanspruchung ein besonders attraktiver Wirtschaftszweig für Länder mit niedrigem Lohnniveau. So ist das Herausfordern der potentiellen Konkurrenz mittels sicherheitsbedingter Zwangsanreize nicht klug.

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