Schäuble: „Wir führen kein Ermittlungsverfahren“
Telekom-Firmen boykottieren Krisengespräch

Die großen Telekommunikationsunternehmen in Deutschland haben die Einladung der Bundesregierung zu einem Krisengespräch über die Telekom-Affäre abgelehnt. Die eingeladenen Vorstandschefs von Vodafone, Debitel und der Telefonica-Tochter O2 haben Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mitgeteilt, dass sie an dem Gespräch am kommenden Montag, zu dem auch Telekom-Chef René Obermann eingeladen wurde, nicht teilnehmen werde, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

DÜSSELDORF. „Wir sehen nicht, dass es ein branchenübergreifendes Datenschutz-Thema gibt“, sagte ein Sprecher des größten deutschen Mobilfunk-Dienstleisters Debitel dem Handelsblatt. Das Unternehmen will sich auf dem Treffen von dem Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) vertreten lassen. Auch der Mobilfunknetzbetreiber O2 schickt niemanden nach Berlin. Das Unternehmen argumentiert, seine Interessen seien durch den Branchenverband Bitkom gewahrt, der der Einladung Schäubles folgen wird.

Der Deutschland-Chef von Vodafone, Friedrich Joussen, begründete seine Absage an das Bundesinnenministerium damit, dass "es sich bei den Vorkommnissen bei der Deutschen Telekom AG nach dem aus den Medien bekannt geworden ist, offensichtlich um Gesetzesverstöße in einem Unternehmen handelt, nicht um grundsätzliche Sicherheitsfragen oder ein mangelndes Bewußtsein unserer Industrie für den Datenschutz". Das Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, verschickte Joussen auch an den Chef des Bundeskanzleramts, Thomas de Maizière. Joussen schrieb, dass die Telekom-Affäre für ihn Unternehmer wie als Bürger dieses Landes "erschreckend" sei.

Nach den Worten Joussens müsse der Datenschutz "in einem freiheitlichen Rechtsstaat wie der Bundesrepublik Deutschland höchste Priorität genießen". Grundsätzlich begrüßt der Vodafone-Manager einen dauerhaften Dialog zwischen der Bundesregierung und der Telekommunikationsindustrie in allen Fragen der Informationstechnik. "Angesichts der Umstände, der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und der Tatsache, dass der Bund Gesellschafter der Deutschen Telekom AG ist, würde ich ein solches Spitzengespräch eher zu einem späteren Zeitpunkt begrüßen", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben weiter.

Seite 1:

Telekom-Firmen boykottieren Krisengespräch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%