Scharfe Konkurrenz durch Pocket-PCs
Blaupunkt drückt den Preis für Auto-Navigation unter 500 Euro

Die Hersteller kombinierter Autoradio-Navigations-Systeme kommen zunehmend durch preiswerte, tragbare Systeme unter Druck. Der deutsche Elektronikkonzern Blaupunkt reagiert nun auf die Konkurrenz und bringt ein Autoradio mit Navigation zum Einbau in das Armaturenbrett für weniger als 500 Euro auf den Markt.

DÜSSELDORF. Die Konkurrenz durch preisgünstige Systeme für Pocket-PCs hatte die Umsätze sinken lassen. Und die nächste Konkurrenz steht schon in den Startlöchern: Tragbare Navigationsgeräte und Navigation mit dem Mobiltelefon gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Oliver Müller vom niederländischen Softwareanbieter Route 66 ist sich sicher: „Langfristig wird das Smartphone den Pocket-PC im Auto verdrängen. Das Mobiltelefon ist das Gerät, das die Leute immer bei sich haben.“ Ein erster Angriff auf den Navigationsmarkt war allerdings gescheitert, weil bei der Navigation über das Handy Mobilfunkgebühren angefallen waren. Das hatten die Kunden, die die Kostenkontrolle behalten wollen, nicht akzeptiert. Mittlerweile hat Route 66 seine Handy-Systeme umgestellt. Statt der teuren Online-Navigation nutzen sie nun die Kartennavigation, bei der keine zusätzliche Gebühren anfallen.

Tragbare Navigationssysteme – sie werden an den Zigarettenanzünder angeschlossen und in eine Halterung gesteckt – liegen nach Aussagen von Martin Capel-Smith, European Marketing Manager bei Navman voll im Trend. Im ersten Halbjahr 2004 wurden europaweit 100 000 Stück verkauft, im zweiten Halbjahr 400 000, sagt er, „Tendenz steigend, und Preise fallend“. Navman habe an diesem Geschäft einen Marktanteil von 25 Prozent.

Das Blaupunktgerät, das heute auf der Messe „Car & Sound“ in Sinsheim präsentiert wird, muss gegen solche Konkurrenz bestehen. Es ähnelt weitgehend dem Erfolgsmodell „Travelpilot“ mit GPS-Navigation. Es ist jetzt aber – wie die tragbaren Geräte – für den unkomplizerten Selbsteinbau geeignet. Der übliche Anschluss an die Tachowelle fällt weg. Dank neuer Software, so Blaupunkt-Sprecher Joachim Siedler, würden Genauigkeit und Schnelligkeit trotzdem fast auf dem Niveau von Geräten mit Tachoanschluss liegen. Auf jeden Fall auf dem der tragbaren oder Pocket-PC Lösungen.

Die klassischen Hersteller von Auto-Unterhaltungselektronik wie Blaupunkt, Alpine oder VDO Dayton bekommen die Angriffe der Konkurrenz aus der PC-Branche und dem Mobilfunk immer stärker zu spüren. Jürgen Wilkin, Sprecher von JVC, der Nummer zwei des deutschen Nachrüstermarktes, bestätigt: „Der klassische Markt für Auto-Hi-Fi – also das ,Autoradio‘ – geht einer schwierigen Zukunft entgegen.“ 2004 fiel der Umsatz mit klassischer Car-Hi-Fi um gut neun Prozent. Der gesamte Umsatz mit Auto-Multimedia zum Nachrüsten sank 2004 um 4,4 Prozent auf 662 Mill. Euro. Wachstum zeigen noch Nachrüstsysteme für DVD, Navigation und Video.

Der Markt für Festeinbau-Navigationen ist laut Branchenverband GfU in Deutschland zu zwei Drittel in der Hand der Autohersteller selber. Sie wollen die Nachrüster aus diesem lukrativen Markt drängen. JVC will jetzt verstärkt auf hochpreisige Unterhaltungssysteme ausweichen. Ein Navigations- und DVD-Gerät mit Festplatte für MP3-Musikspeicherung ist bereits im Handel. Wilkin: „Heim- und Autounterhaltung wachsen zusammen. Darauf werden wir reagieren“. Delphi Grundig wiederum tritt gegen den Erfolg von Apples iPod, für den namhafte Autohersteller serienmäßig Einbausätze anbieten werden, in Sinsheim mit einem Festplattenspieler mit 30 Gigabyte Kapazität an. Der wird am PC mit Musik befüllt, in die Autohalterung gesteckt und dann über das Autoradio gesteuert.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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