Scheingeschäft
Neuer Verdacht in Telekom-Spitzelaffäre

Heftiger Verdacht in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom: Der Hauptangeklagte im Prozess um ausspionierte Telefonate bei der Telekom hat womöglich Scheingeschäfte mit einem externen Dienstleister gemacht.
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DÜSSELDORF. Der Hauptangeklagte im Prozess um ausspionierte Telefonate bei der Telekom hat womöglich Scheingeschäfte mit einem externen Dienstleister gemacht. Das berichtet das Handelsblatt (Freitagausgabe). Dieser Verdacht ist nach Angaben der Zeitung aus Kreisen der Staatsanwaltschaft zu hören. So hat der Hauptangeklagte Klaus Trzeschan einem externen Dienstleister knapp 700 000 Euro für die Auswertung von Verbindungsdaten gezahlt, obwohl Telekom-Mitarbeiter per Knopfdruck feststellen konnten, wer mit wem telefoniert hat.

Bislang hieß es, die Rohdaten für die Telefonate hätten interne Mitarbeiter Trzeschan zwar auf Anfrage zu Verfügung gestellt. Die Pakete mit Tausenden von Daten hätten aber noch ausgewertet werden müssen. Dafür sei der externe Datenspezialist, die Berliner Firma Network Deutschland, hinzu gezogen worden. So lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Dies verstößt aber nicht nur gegen geltendes Datenschutzrecht und das Fernmeldegeheimnis, sondern war nach Informationen des Handelsblatts womöglich auch völlig unnötig. Die Telekom hat über eine Software verfügt, die sich so einstellen ließ, dass sie alle Telefonverbindungen für eine bestimmte Handy- oder Festnetznummer automatisch auswies. Die Aufgabe von Network Deutschland, sei es wohl vor allem gewesen, Rechnungen zu stellen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu nicht äußern. Network-Chef Ralph Kühn und sein Anwalt waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Trzeschans Anwalt sagte dem Handelsblatt: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Daten ausgewertet werden mussten und Network Deutschland das auch getan hat.“

In der Affäre hat die Telekom in den Jahren 2005 und 2006 Telefongespräche von Journalisten, Aufsichtsräten und Arbeitnehmervertretern ausspioniert. Ziel war, herauszufinden, wer Unternehmensgeheimnisse an die Presse leitet.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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