Scheingeschäfte
Neuer Verdacht in der Telekom-Spitzelaffäre

Der Hauptangeklagte im Prozess um Telefonspionage bei der Deutschen Telekom hat womöglich Scheingeschäfte mit einem externen Dienstleister gemacht. Es sollen Gelder in sechsstelliger Höhe geflossen sein.
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DÜSSELDORF. Der Hauptangeklagte in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom, Klaus Trzeschan, hat die Telekom womöglich massiver betrogen als bislang angenommen. Dieser Verdacht ist in Kreisen der Staatsanwaltschaft zu hören. Der ehemalige Abteilungsleiter der Konzernsicherheit hat einem externen Dienstleister knapp 700 000 Euro für die Auswertung von Verbindungsdaten gezahlt, obwohl Telekom-Mitarbeiter per Knopfdruck feststellen konnten, wer mit wem telefoniert hat.

In der Affäre hat die Telekom in den Jahren 2005 und 2006 Telefongespräche von Journalisten, Aufsichtsräten und Arbeitnehmervertretern ausspioniert. Ziel war, herauszufinden, wer Unternehmensgeheimnisse an die Presse leitet.

Bislang hieß es, die Rohdaten für die Telefonate hätten interne Mitarbeiter Trzeschan zwar auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Diese hätten aber noch ausgewertet werden müssen. Dafür sei der Berliner Datenspezialist Network Deutschland hinzugezogen worden. So lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Dies verstößt aber nicht nur gegen geltendes Datenschutzrecht und das Fernmeldegeheimnis, sondern war nach Informationen des Handelsblatts womöglich auch völlig unnötig. Die Telekom hatte damals eine Software, die sich so einstellen ließ, dass sie alle Telefonverbindungen für eine bestimmte Handy- oder Festnetznummer automatisch auswies. Wenn aber für die Spitzelei ein Knopfdruck genügte, stellt sich die Frage, wofür Network Deutschland knapp 700 000 Euro verlangt hat.

Fest steht, dass Firmenchef Ralph Kühn eine Auswertung von Presseartikeln vorgenommen hat. Auf einer Wandtapete zeichnete er auf, wann seit dem Börsengang der Telekom Aufsichtsratssitzungen stattfanden und wann Artikel mit Unternehmensinterna erschienen.

In Kreisen der Staatsanwaltschaft heißt es, Kühns Aufgabe sei es wohl vor allem gewesen, Rechnungen zu stellen. Die Behörde wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Wieso es dennoch zu der hohen Zahlung kam und welche Form von Telefondaten die Software tatsächlich lieferte, könnte am Freitag Gegenstand der Gerichtsverhandlung im Bonner Landgericht sein. Trzeschans Anwalt sagte dem Handelsblatt: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Daten ausgewertet werden mussten und Network Deutschland das auch getan hat.“

Kühn ist nach Informationen aus Konzernkreisen bereits in einem anderen Fall bei der Telekom wegen einer Rechnung über 400 000 Euro aufgefallen, für die er nach Ansicht des Konzerns keinen Gegenwert präsentieren konnte. Erteilt hatte den Auftrag 2007 ebenfalls Klaus Trzeschan. Sein damaliger Chef, der Leiter der Konzernsicherheit, weigerte sich jedoch, Kühns Forderung zu begleichen. Trzeschan mahnte er ab, weil er Kühn trotz einer Ausgabensperre den Auftrag erteilt hatte.

Kühn gehört zu den Angeklagten. Das Verfahren gegen ihn ist abgetrennt, weil er sehr krank ist. Weder er noch sein Anwalt waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Trzeschan wirft die Staatsanwaltschaft neben den anderen Anklagepunkten auch Untreue und Betrug vor. So stellte er der Telekom unter anderem 180 000 Euro für einen Maulwurf in Rechnung, den er in die Redaktion des Nachrichtenmagazins „Capital“ eingeschleust haben will. Kurz nachdem das Geld auf Trzeschans Konto eingegangen war, hob er am 12. Dezember 2005 120 000 Euro ab. Am 6. Januar 2006 wurde auf seine Frau ein teurer Oldtimer zugelassen. Trzeschans Anwalt sagt, sein Mandant habe die 120 000 Euro einem Detektiv übergeben, der damit den Maulwurf bezahlt habe.

 

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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