Schlechter Ruf der Spanier wegen wettbewerbsfeindlicher Praktiken
Telefónica kämpft mit allen Mitteln

Das spanische Telekomunternehmen Telefónica gerät immer mehr unter Druck. Bereits im April hatte der Konzern von der nationalen Wettbewerbsbehörde eine Strafe von 57 Mill. Euro aufgebrummt bekommen, weil er unlautere Praktiken anwende, um seinen Kunden den Wechsel zu anderen Anbietern zu erschweren.

scm MADRID. Jetzt hat auch die Regierung in Peru Konsequenzen aus den Beschwerden der Telefonkunden angekündigt: Sie will Telefónicas Lizenz, die 2019 ausläuft, nicht verlängern. Als Gründe wurden zu hohe Tarife und wettbewerbsfeindliches Auftreten – und damit Vertragsbruch – angeführt.

Im Fall Spanien hat Telefónica bei der Wettbewerbsbehörde Beschwerde eingelegt. Aber die dürfte nicht viel Gehör finden. Gerade erst wurde eine Beschwerde des Telekomkonzerns abgeschmettert: Telefónica war gegen die Forderung der spanischen Regulierungsbehörde vorgegangen, die Nutzungsgebühren für das Lokaltelefonnetz, das immer noch in Händen des ehemaligen Monopolisten liegt, deutlich zu senken. Der Konzern muss jetzt die Preise senken.

Auch in Peru fühlt sich Telefónica ungerecht behandelt, hofft aber, dass die nächste Regierung anders denkt und die Lizenz doch verlängert. Das Volk und die Wirtschaft haben die Spanier gegen sich. Und Peru ist kein Einzelfall: „In ganz Lateinamerika ist das Image von Telefónica ziemlich schlecht“, sagt Luis Castro, Europa-Chef der mexikanischen Nachrichtenagentur Nortimex in Madrid.

Die Spanier haben für sehr viel Geld lateinamerikanische Telekomanbieter aufgekauft, um Marktführer zu werden, wie jüngst in Chile. Um die Investition zu amortisieren, hebe Telefónica die Tarife dann deutlich an.

Auch in Spanien hat Telefónica wenig Freunde, aber ihre Kunden haben vielerorts kaum Wahlmöglichkeiten. „Hier in Spanien sind die Wettbewerber so schlecht, dass der Telekommunikationsmarkt, mit einer Quote von 75 Prozent trotz der Liberalisierung vor sechs Jahren immer noch fest in Händen des ehemaligen Monopolisten Telefónica ist“, sagt Julián de Cabo, früherer spanischer Geschäftsführer bei Telefónicas Internettochter Terra Networks und heute Dozent an der Madrider Business-Schule Instituto de Empresa im Gespräch mit dem Handelsblatt. In keinem anderen Land in Europa konnten die ehemaligen staatlichen Telekommunikationsunternehmen eine solche Quote halten.

Angesichts des teils miserablen Images und der wirtschaftlich angekratzten Lage vieler Wettbewerber – etwa des spanischen Festnetzanbieters Jazztel – bevorzugen auch die Lieferanten den ehemaligen Monopolisten als Kunden. „Auch wenn Telefónica weniger zahlt und für viele zu mächtig ist“, sagt Béatriz González de Castejón Rodriguez- Salmones, Chefin des internationalen Netzdienstleisters Euroflat: „Es gibt kaum Alternativen.“

Aber die Wettbewerber haben es auch nicht einfach. „Telefónica hat in den vergangenen Jahren bis an die Grenzen der Legalität um seinen Marktanteil gekämpft“, sagt De Cabo. Deswegen habe der Konzern auch des öfteren von den Wettbewerbsbehörden Strafen auferlegt bekommen. Das wird sich in Zukunft noch verstärken, denn die aktuelle Regierung unter José Luis Rodríguez Zapatero fordert von Telefónica-Präsidenten César Alierta – ein enger und oft favorisierter Freund der konservativen Vorgängerregierung – mehr Wettbewerb und niedrigere Preise. So forderte sie Alierta jüngst auf, die Zugangsgebühren für das Internet, die in Spanien seit November 2003 liberalisiert wurden, deutlich zu senken. Darunter fällt auch die Breitbandlinie, deren Flatrate beim Marktführer Telefónica immer noch monatlich um die 39 Euro kostet.

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