Schleppende Konjunktur
Abschreibungen könnten Bertelsmann Gewinn verhageln

Eigentlich laufen die Geschäft von Bertelsmann ordentlich. Dennoch schließt die Führung des Medienkonzerns einen Gewinnrückgang im laufenden Jahr nicht aus. Probleme gibt es vor allem in einer Region.
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DüsseldorfDer Medienkonzern Bertelsmann schließt wegen der schleppenden Konjunktur für das laufende Jahr auch einen Gewinnrückgang nicht mehr aus. Ob der Vorjahresüberschuss erreicht werde, sei ungewiss, zitierte das „manager magazin“ Vorstandschef Thomas Rabe am Donnerstag vorab. „Beim Konzernergebnis bin ich vorsichtig. Hier ist es noch zu früh für eine sichere Prognose.“ Wegen der schlechten Wirtschaftslage vor allem in Südeuropa müssten möglicherweise Wertberichtigungen vorgenommen werden. Der Umsatz entwickle sich hingegen „recht gut“. „Wir werden insgesamt eine Umsatzmarge von über zehn Prozent ausweisen“, sagte Rabe.

Rabe will Bertelsmann, zu dem neben Europas größter TV-Gruppe RTL auch der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Buchverlag Random House und der Druckdienstleister Arvato zählen, nach Jahren des Sparens wieder auf Wachstum trimmen. Doch auch Bertelsmann kann sich nicht von schwachen Geschäften im krisengeschüttelten Südeuropa abkoppeln. Eigentlich hatte Bertelsmann für 2012 einen Gewinnanstieg in Aussicht gestellt. „Das können wir nicht mehr so vollmundig versprechen“, hatte eine Sprecherin bereits im November ein Fragezeichen hinter diese Prognose gesetzt.

Das ist insofern etwas verwunderlich, als dass der Umsatz von Januar bis September um 5,7 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro anstieg. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen legte um 5,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn lag bei 528 Millionen Euro (Vorjahr: 377 Mio Euro). Gut lief vor allem das Buchgeschäft der Tochter Random House und das Fernsehgeschäft der RTL Group.

Bertelsmann will Mehrheit bei Musikrechtetochter

Weiter wachsen soll Bertelsmann nach Rabes Vorstellungen etwa durch eine Expansion in Schwellenländer, den Ausbau des digitalen Geschäfts, des Bildungsbereichs und des Musikrechtegeschäfts. Beim Musikrechteanbieter BMG Rights Management strebt Rabe mehr Einfluss an, falls sich der bisherige Partner und Finanzinvestor KKR verabschiedet. „Sollte KKR ausscheiden wollen, dann werden wir wohl die Mehrheit an BMG anstreben, gegebenenfalls mit anderen Partnern“, sagte Rabe. KKR hält derzeit 51 Prozent an BMG Rights Management. Seinen profitablen Buchverlag Random House will Bertelsmann mit dem Penguin-Verlag des britischen Rivalen Pearson zum weltweiten Marktführer fusionieren.

Der Plan, den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr - Herausgeber etwa von „Stern“, „Brigitte“ und der vergangene Woche eingestellten „Financial Times Deutschland“ - allein zu kontrollieren und den 25-prozentigen Anteil der Familie Jahr zu kaufen, scheiterte. Rabe nannte dafür zwei Gründe: Es sei „zurzeit ausgesprochen schwierig, ein Verlagshaus zu bewerten, bei dem man nicht weiß, ob sein Ergebnisrückgang temporär oder von Dauer ist.“ Zum anderen hätten „die Vorabveröffentlichung der Gespräche und die Indiskretionen den Abschluss der Transaktion erschwert.“

Die Pläne für eine Komplettübernahme des Hamburger Traditionsverlags, der mit sinkenden Anzeigeneinnahmen und Auflagen kämpft, waren im August publik geworden. Bertelsmann versprach sich durch die Transaktion höhere Einsparmöglichkeiten und eine bessere Kontrolle über die Print-Geschäfte der Tochter. Einem Medienbericht zufolge wollten die Jahrs im Tausch für ihre Beteiligung mindestens fünf Prozent der Bertelsmann-Aktien.
Rabe begründete die schwierige wirtschaftliche Lage des Verlagshauses auch mit Managementversäumnissen. „Vielleicht war es ein Fehler, dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben. Vielleicht haben wir auch das Portfoliomanagement nicht intensiv genug betrieben“, räumte der Bertelsmann-Chef ein.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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