Schließung der Buchclubs
Bertelsmann droht Niederlage vor Gericht

Bertelsmann will seine Buchclubs schließen – das Geschäft, das den Verlag zum Medienriesen machte. Die Abwicklung verläuft nicht geräuschlos: Bertelsmann-Partner klagen vor Gericht – dem Konzern droht eine Niederlage.
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Hamburg/DüsseldorfEs schien, als sei die letzte Messe bereits gelesen. Als Bertelsmann im Juni 2014 die Schließung seiner Buchclubs für Ende 2015 mangels Profitabilität bekanntgab, schien das Ende eines einst renditeträchtigen Geschäfts gekommen zu sein. 1950 hatte der 2009 gestorbene Firmenpatriarch Reinhard Mohn die Clubs als „Bertelsmann Lesering“ gegründet. Sie standen am Anfang des Aufstiegs eines bestenfalls mäßig bedeutenden Gütersloher Verlagshauses zum international operierenden Medienkonzern. Der Lesehunger der Nachkriegszeit half dabei.

Und wer bei Bertelsmann etwas werden wollte, bewährte sich in den Clubs. Spätere Manager wie der ehemalige Chef der Konzerntochter Gruner + Jahr Bernd Kundrun waren sich nicht zu schade, in Fußgängerzonen Tapeziertische aufzustellen, um dort neue Clubmitglieder zu gewinnen. Tempi passati.

Oder vielleicht doch nicht? Kurz nachdem die Ostwestfalen die Schließung der Clubs bekanntgegeben hatten, meldeten sich Geschäftspartner, die bisher Mitglieder warben, zu Wort und kündigten an, gegen diesen Schritt vorzugehen. Stellvertretend für die insgesamt 244 Buchclubpartner Bertelsmanns haben drei von ihnen vor dem Landgericht Düsseldorf geklagt. Auch ihnen war zum Jahresende gekündigt worden.

Bei dem ersten Güte- und Verhandlungstermin am Dienstag wurde klar, dass Bertelsmann in einer wichtigen Frage eine Niederlage droht. Die Richter machten in einer vorläufigen Einschätzung deutlich, dass es die 2014 ausgesprochenen Kündigungen von Vertriebspartnern durch das Unternehmen für unwirksam hält.

Allerdings machte das Gericht in seiner vorläufigen Bewertung zugleich deutlich, dass es eine Reihe der Forderungen der Kläger für unbegründet hält. Dazu gehört etwa die Forderung nach Schadenersatz für Einnahmeausfälle durch den Mitgliederschwund nach der Schließung der Buchclub-Filialen. Nach Auffassung des Gerichts gebe es für Bertelsmann in den Verträgen keine Verpflichtung stationäre Geschäfte zu betreiben, sagte der Vorsitzende Richter Martin Vomhof. Er legte den Streitparteien mehrmals einen Vergleich nahe.

Die Geschäftspartner der Gütersloher haben etwa jedes vierte der noch knapp eine Million Buchclubmitglieder geworben und sie anschließend an Bertelsmann verpachtet. Deshalb werden sie im Branchenjargon auch Verpächter genannt. Ihr Gewerbe ist recht einträglich: Pro Clubmitglied bekommen sie jährlich 80 bis 100 Euro. Unter dem Strich kommt so jedes Jahr ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag zusammen.

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  • Wenn die Klausel über den Kündigungsverzicht für 30 Jahre nicht für den Fall der kompletten Aufgabe des Segments gelten soll, hätte dies im Vertrag als Ausschlußklausel erwähnt werden müssen. Da dies nicht der Fall ist, muß Bertelsmann das Segment fortführen oder muß die Partner für die fehlenden Jahre entschädigen.

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