Schmiergeld bei Siemens
Korruptionswächter sollen Bescheid gewusst haben

Es war der Tag der Heinz K. Zuerst belastete der Zeuge im Untreue-Prozess den angeklagten Ex-Siemens-Direktor Reinhard S. - dann auch noch die Compliance-Abteilung des Konzerns. Die soll von den Schmiergeldern gewusst haben. Und nicht nur das.

HB München. Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Siemens-Direktor Reinhard S. hat ein Zeuge den früheren Konzernvorstand schwer belastet. Man habe bei Großprojekten teils 30 Prozent der Auftragssumme an Provision gezahlt, sagte der ehemalige Siemens-Mitarbeiter Heinz K. am Mittwoch vor dem Landgericht München. "Solche Projekte sind an und für sich vorlagepflichtig beim Zentralvorstand." Teilweise seien "zwischen fünf und zehn Millionen" Euro geflossen.

Zugleich belastete Heinz K. die früheren Korruptionsbekämpfer bei Siemens schwer. Diese seien selbst in das System der schwarzen Kassen eingeweiht gewesen. Die Compliance-Abteilung habe vom Schmiergeldprozedere gewusst und sogar eine Änderung gefordert, nachdem österreichische Banken Informationen über dubiose Geldtransfers verlangt hätten, sagte der frühere Manager. Über Österreich lief ein Großteil der Korruptionszahlungen der früheren Telekommunikationssparte Com.

Auf Druck der Zentrale hätten zwei Compliance-Beauftragte, die heute noch für Siemens tätig sind, die für die Abwicklung der Schmiergeldzahlungen zuständigen Com-Beschäftigten angesprochen und gefordert: "Lasst Euch etwas anderes einfallen", zitierte K., gegen den ebenfalls ermittelt wird. So seien die Anteile des Schmiergelds am Auftragswert reduziert worden. Anfangs seien noch bis zu 30 Prozent üblich gewesen, ab etwa 2001 hätten die internen Korruptionsbekämpfer fragwürdige Provisionen von fünf bis sechs Prozent als "sittlich gerechtfertigt" betrachtet.

Auch den Wirtschaftsprüfern seien die dubiosen Praktiken geläufig gewesen. "Die KPMG kannte das Thema", sagte Jagemann. Den Prüfern seien die Zahlungen auch regelmäßig aufgefallen, allerdings sei nichts weiter geschehen. "Das hat uns natürlich sicherer gemacht."

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