Schmiergeld-Verdacht
US-Behörden ermitteln gegen Oracle

Bereits Daimler und Siemens gerieten ins Visier des US-Justizministeriums wegen problematischer Geschäftspraktiken. Nun steht der Software-Konzern Oracle unter dem Verdacht, im Ausland geschmiert zu haben.
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New York Diese Zeitungsmeldung dürfte manchem Konzernchef vor lauter Schadenfreude ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert haben: Der bei der Konkurrenz nicht gerade beliebte Softwareriese Oracle wird laut „Wall Street Journal“ von US-Behörden verdächtigt, im Ausland geschmiert zu haben, um an Aufträge zu gelangen. Sollten sich die Verdächtigungen bewahrheiten, kann das teuer werden für Oracle. Der Konzern wollte sich zunächst nicht äußern.

Oracle ist die Nummer eins bei Datenbank-Software, dringt aber immer stärker in neue Geschäftsfelder vor. Konzernchef Larry Ellison scheut dabei keinen Konflikt; er eckt vor allem mit seinen markigen Sprüchen über seine Wettbewerber des öfteren an. Zu seinen Lieblingsgegnern zählt der deutsche Geschäftssoftware-Spezialist SAP. Auch den Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) sowie den Internetkonzern Google hat sich Ellison zum Feind gemacht.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ vom Mittwoch drehen sich die Ermittlungen des US-Justizministeriums und der gefürchteten Börsenaufsicht SEC unter anderem um die Frage, ob Oracle afrikanische Regierungsmitarbeiter bestochen habe, um seine Software loszuwerden. Die Ermittlungen liefen bereits mindestens ein Jahr, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eingeweihte Personen.

Die US-Behörden verfolgen korrupte Firmen derzeit mit besonderer Härte - selbst wenn das Schmiergeld im Ausland geflossen ist. Das mussten auch Daimler und Siemens erfahren. Die beiden deutschen Vorzeigeunternehmen gerieten in den vergangenen Jahren ebenfalls ins Visier der US-Ermittler und mussten Millionen wegen des Verdachts zwielichtiger Geschäftspraktiken zahlen. Hinzu kam der Imageschaden.

Im Fall von Oracle dürfte die Konkurrenz nun genau verfolgen, wie es weitergeht. Denn es laufen einige Gerichtsprozesse zwischen den Firmen, bei denen Oracle sich gerne als Opfer darstellt: Bei SAP geht es um Software-Klau, bei HP um Firmenrechner und Firmengeheimnisse und bei Google um wichtige Patente für die boomenden Smartphones. Vielfach spielen auch persönliche Befindlichkeiten eine Rolle - so arbeitet der von HP gefeuerte Topmanager und Ellison-Freund Mark Hurd inzwischen für Oracle.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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