Schmiergeldaffäre
Staatsanwalt untersucht Medizinsparte bei Siemens

Mit der Medizinsparte wird nun der nächste Geschäftsbereich des Siemens-Konzerns durchleuchtet. Wie der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld dem Handelsblatt sagte, seien die Ermittlungen bereits angelaufen. Es gebe jedoch keinen Zusammenhang mit dem Rücktritt des Konzernvorstands Erich Reinhardt.

MÜNCHEN. Die Schmiergeldaffäre bei Siemens hatte in der Telekommunikationssparte Com ihren Anfang genommen und sich dann rasch auf andere Geschäftsbereiche wie die Energieerzeugung und die Energieübertragung ausgeweitet. Nach Bekanntwerden neuer Korruptionsfälle in der Medizintechnik kündigte Reinhardt am Mittwoch seinen Rücktritt an. Der Konzern betonte, dass es keine Hinweise darauf gebe, dass Reinhardt persönlich in den Skandal verwickelt sei.

Reinhardt verabschiedete sich mit einem Brief von den Beschäftigten. "Ich habe stets versucht, für unser Unternehmen das Beste zu geben", heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Zugleich rief er die Beschäftigten dazu auf, seinen Nachfolger Jim Reid-Anderson zu unterstützen.

Mit Reinhardts überraschendem Rücktritt wächst der Druck auf den langjährigen Vorstandschef Heinrich von Pierer weiter, zumindest eine Art politischer Verantwortung zu übernehmen. "Darauf haben wir lange gewartet, dass endlich einer Verantwortung übernimmt", kommentierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die Entscheidung Reinhardts. Pierer dagegen sei viel zu spät vom Aufsichtsratsvorsitz zurückgetreten und habe noch immer keine Verantwortung für die Affäre übernommen.

Im Fall Pierer hat die Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Der Ex-Vorstandschef hatte nach massiven Vorwürfen gegen ihn kürzlich erstmals mit den Ermittlern gesprochen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit eine Reihe von Unterlagen, die Pierer-Anwalt Sven Thomas eingereicht hat. Erst danach will Schmidt-Sommerfeld eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen. Die Prüfung werde wohl bis Mittwoch kommender Woche dauern, sagte der Chef-Ermittler.

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