Schmiergeldskandal
Siemens rehabilitiert Ex-Chefaufklärer

Die Siemens AG kommt bei der Aufarbeitung des Schmiergeldskandals voran: Der langjährige Chefaufklärer Albrecht Schäfer wird sich aktiv an der Aufklärung der Vorgänge beteiligen. Die Einigung mit Schäfer gilt intern als Vorteil für Siemens im Ringen mit der US-Börsenaufsicht.

MÜNCHEN. Bislang befürchteten Aufsichtsratskreise, dass Siemens in den USA Milliardenstrafen drohen. Doch die Beteiligung des Chefaufklärers Albrecht Schäfer wird als Pluspunkt für die Gespräche der Siemens-Konzernführung mit der US-Börsenaufsicht SEC in New York gewertet.

Schäfer gilt als Schlüsselfigur bei dem Versuch, den Skandal vollständig aufzuarbeiten. Der langjährige Siemens-Angestellte war einer der engsten Mitarbeiter des früheren Top-Managements unter den Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Schäfer war 1976 zu Siemens gekommen und wurde 1992 zum Justitiar ernannt. Zwischen von Oktober 2004 und Ende 2006 übernahm er auch die Aufgabe des Antikorruptionsbeauftragten.

Siemens hatte sich in einem gerichtlichen Vergleich mit Schäfer geeinigt und dies am Wochenende bestätigt. Siemens sprach dem Juristen das volle Vertrauen aus und erklärte, man werde die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht aufrecht erhalten. Siemens hatte Schäfer im August fristlos gekündigt, da er die Führungsgremien angeblich nicht vollständig über die Korruptionsvorwürfe informiert haben.

Die Einigung mit dem 59 Jahre alten Schäfer kommt überraschend. Denn vor wenigen Wochen hatten in einer Anhörung vor Gericht sowohl der Anwalt Schäfers als auch der Vertreter von Siemens die Konfrontation gesucht. Andererseits hatten Unternehmenskreise frühzeitig vermutet, dass das Unternehmen einen Vergleich mit Schäfer suchen werde. Schäfers Anwalt Georg Schulz erklärte, nun sei sein Mandant "voll rehabilitiert“, damit sei die Basis für eine gute Zusammenarbeit gelegt. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen wird Schäfer seine vollen Bezüge erhalten, über die Details seiner künftigen Beschäftigung gab es keine Angaben.

Konzernchef Peter Löscher hatte am Wochenende den Aufsichtsrat über die Einigung mit Schäfer informiert. In Kürze will Löscher gemeinsam mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und dem neuen Rechtsvorstand Peter Solmssen in die USA fliegen, um die Börsenaufsicht SEC von den Fortschritten bei der Aufklärung zu informieren.

Die Einigung mit Schäfer gilt intern als Vorteil für Siemens im Ringen mit der US-Börsenaufsicht. Denn Schäfer hat sich offenbar bereit erklärt, umfassend über die Details der Vorgänge auszusagen. Unternehmenskreise vermuten, dass dabei auch die Verantwortung der alten Führung unter dem langjährigen Siemens-Chef von Pierer zur Sprache kommen wird. Pierer war unter dem Druck der Öffentlichkeit Ende April 2007 als Aufsichtsratschef zurückgetreten, hat aber Verantwortung für die Vorgänge nicht übernehmen wollen. Siemens selbst hält den Korruptionsskandal, bei dem nach eigenen Angaben bislang 1,3 Mrd. Euro in dubiosen Kanälen versickert sind, für den größten Fall, den die SEC bis heute untersucht hat. Aufsichtsratskreise befürchten daher hohe Geldstrafen oder gar den Ausschluss von Siemens von öffentlichen Aufträgen. Nun heißt es, man könne mit der Einigung im Fall Schäfer gegenüber der SEC belegen, dass sich Siemens mit aller Kraft und ohne Rücksicht auf frühere Vorstände darum bemühe, die Verstöße selbst aufzuklären.

Konzernchef Löscher rechnete am Wochenende mit dem unter seinen Vorgängern grassierenden Korruptionssystem ab: „Was ich hier vorgefunden habe, geht über Einzelfälle weit hinaus“, sagte er dem „Spiegel“. Auch er selbst habe anfangs die Breite des Skandals unterschätzt. Er sehe es nun auch als seine Aufgabe an, eine neue Kultur zu installieren. 470 Manager seien bereits sanktioniert worden, von 130 habe sich das Unternehmen getrennt.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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