Schnäppchenportal
Groupon kämpft um seinen Ruf

Einmal Börsenstar und zurück: Groupon stieg erst rasant auf, stürzte dann ebenso rasant wieder ab. Jetzt plant das Schnäppchenportal sein Comeback mit mehr Lifestyle und Seriosität – auch in Deutschland.
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DüsseldorfDer Name Groupon stand lange für rasante Expansion. Die Manager rühmten ihre Schnäppchen-Plattform gern als das „am schnellsten wachsende Unternehmen aller Zeiten“. Auf 30 Milliarden Dollar schätzen Banker an der Wall Street den Wert des Start-ups einst. Da war es keine drei Jahre alt. Doch die imposanten Zahlen waren nicht von Dauer, dem beispiellosen Aufstieg folgte ein beispielloser Absturz, der im März zur Entlassung des Firmengründers Andrew Mason führte.

Ein paar Monate danach will das Unternehmen nicht mehr nur von Wachstum reden: „Wichtig ist, dass wir das Geschäft zunehmend auf Nachhaltigkeit ausrichten“, sagte Emanuel Stehle, neuer Deutschland-Chef von Groupon, in seinem ersten Interview. Das Portal soll künftig nicht allein für Schnäppchen stehen. Und die Kleinunternehmer, die darüber Gutscheine anbieten, sollen wieder Vertrauen schöpfen.

Groupon hat den Rabatt-Coupon ins Internetzeitalter gebracht: Das Unternehmen verkauft vergünstigte Gutscheine für Restaurants und Bars, Frisöre und Schönheitssalons, Yogakurse und Autowäschen. Finden sich ausreichend Käufer, kommt der Deal zustande. Für die Vermittlung behält Groupon eine hohe Gebühr ein, zumeist die Hälfte des Preises.

Dieses Geschäftsmodell funktionierte anfangs blendend. Von Chicago aus eroberte das Unternehmen erst die USA, dann auch zahlreiche andere Länder. Groupon galt als Goldgrube. Doch die aggressive Expansion hatte ihren Preis: Die hohen Kosten für Personal, Marketing und Übernahmen trieben das Unternehmen tief ins Minus. Zudem endeten etliche Deals im Fiasko. Denn gerade vor dem Börsengang im Herbst 2011 war der Druck auf die Verkäufer offenbar extrem.

„Eine schlechte Woche kann reichen und du bist weg”, zitierte das Portal Gründerszene im April 2012 einen Groupon-Mitarbeiter. Entsprechend rücksichtslos seien viele Vertriebsmitarbeiter zu Werk gegangen und hätten beispielsweise gegenüber den Händlern verschwiegen, dass sie die Zahl der verkauften Gutscheine begrenzen konnten. Für kleine Unternehmen ein großes Risiko: Werden zu viele Coupons mit hohen Rabatten abgesetzt, kann das im schlimmsten Fall den Ruin bedeuten. Es gab Restaurants, die aus Versehen mehrere Tausend Essen zu extrem niedrigen Preisen verkauften.

„Groupon ist extrem schnell gewachsen, gerade in Europa“, resümiert Bernd Skiera, Professor für Electronic Commerce an der Goethe-Universität Frankfurt. Dabei habe es für den Außendienst Anreize gegeben, möglichst viele Deals reinzuholen. „Da ist teilweise Schindluder getrieben worden. Für Groupon ist es eine Herausforderung, gegen dieses Image anzukämpfen.“

Das Geschäftsmodell hält er jedoch nicht grundsätzlich für gescheitert. Wegen des hohen Rabatts lohne sich eine Rabattaktion für Händler zwar nicht kurzfristig. Aber: „Wenn man Kunden binden kann, kann daraus ein profitables Geschäft entstehen.“ Gerade für kleine Firmen seien Gutscheine sinnvoll, weil sie nur im Erfolgsfall zahlen müssten. Allerdings müssten die Geschäftsleute den Deal richtig durchrechnen, und daran sei es oft gescheitert. Der E-Commerce-Experte hat deswegen einen „Coupon Calculator“ entwickelt.

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Mehr Lifestyle, weniger Schnäppchen

Kommentare zu " Schnäppchenportal: Groupon kämpft um seinen Ruf"

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  • Ist GROUPON eine Marke, der man vertraut? Ist der Anbieter eines Coupons bei GROUPON ein Anbieter, den man langfristig nutzen will? Meinen Sie, dass die superbilligen Angebote tatsächlich eigentlich 50-100% mehr wert seien? 3x NEIN: Kaufen Sie bloss keine Aktien von Groupon - Konsistenz und Vertrauen in ein Unternehmen sind aders aus.

  • Schon mal versucht einen Newsletter von Groupon
    (ohne vollständige Regiestrierung oder überhaupt) Nutzung zu löschen?

    Jeden Tag kommen 1- 2 "Newsletter". Gegenwehr: Ignorieren und löschen --> Spamfilter "unerwünscht".

    Ich wünsche solch' penetranten Firmen den Abgang.

  • @black: Kommt auf den Zeithorizont an, siehe Google. Wachstum kann sinnvoll sein, wenn mit großem Kundenstamm später satte Gewinne eingefahren werden. Nachahmer auf Distanz zu haltne ist schon ein nachvollziehbares Motiv. Ob der spätere Gewinn bei Groupon klappt, ist damit natürlich nicht gesagt.

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