Schnelle Erfolge schaffen Vertrauen
Die „Verlegenheitslösung“ überzeugt

Kai-Uwe Ricke hat die Deutsche Telekom in seinem ersten Jahr an der Spitze auf Kurs gebracht – schneller als erwartet. Doch einige schwierige Aufgaben stehen ihm noch bevor.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Er musste erst noch hineinwachsen in seinen neuen Job. Die Nervosität war ihm anzusehen bei seinem ersten Auftritt als Chef der Deutschen Telekom: Unruhig schob er auf dem Podium die Füße vor und zurück, blätterte scheinbar wahllos in den Unterlagen vor ihm auf dem Tisch und hielt seine Rede stockend. Am Ende bat er um Einarbeitungszeit: „Äußern Sie Erwartungen, aber ich bitte Sie: Fällen Sie kein Urteil, das in den nächsten Wochen ein Vorurteil wäre.“

Das war vor einem Jahr. Heute ist von solcher Nervosität keine Spur mehr. Kai-Uwe Ricke gibt sich souverän – mit seinen ersten Erfolgen im Rücken. Er hat die Erwartungen schneller erfüllt als erwartet, und die nächsten positiven Nachrichten wird er wohl morgen verkünden, wenn die Telekom ihre Ergebnisse für das dritte Quartal bekannt gibt.

Der Telekom-Chef, bei seiner Ernennung noch als „zweite Wahl“ und „Verlegenheitslösung“ angesehen, hat Europas größten Telekommunikationskonzern wieder auf Kurs gebracht. Er zog ein energisches Sparprogramm durch und eroberte das Vertrauen von Aktionären und Analysten zurück. Doch noch hat er bei weitem nicht alle Baustellen abgearbeitet.

Mit schnellen Erfolgen glänzte Ricke vor allem beim Schuldenabbau: Seit November vergangenen Jahres hat er die Verbindlichkeiten um mehr als 11 Mrd. Euro reduziert – durch einen erhöhten freien Barmittelzufluss und durch die Verkäufe von T-Online-Anteilen, Minderheitsbeteiligungen an asiatischen Mobilfunkanbietern, dem Satellitenbetreiber Eutelsat sowie dem Abstoßen der restlichen TV-Kabelnetze. Bereits Ende September werden die Schulden nach Angaben von Analysten bei etwa 51 Mrd. Euro liegen – in der Spanne, die Ricke eigentlich erst am Ende dieses Jahres erreichen wollte. Für die Finanzmärkte ist das Beweis genug, dass Ricke hält, was er verspricht.

Selbst die Kritiker an dem viel zu teuer erkauften Unternehmen T-Mobile USA (ehemals Voicestream) brachte er zum Verstummen. Die Tochter ist einer der am schnellsten wachsenden US-Mobilfunkbetreiber.

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