Schock für Apple

US-Behörde verbannt ältere iPhone-Modelle

Schwere Schlappe für Apple im Streit mit Rivale Samsung: Für ältere Modelle des iPhone und iPad droht ein Verkaufsverbot – ausgerechnet auf dem Heimatmarkt. Eine US-Behörde sieht Patente verletzt, doch Apple wehrt sich.
Update: 05.06.2013 - 06:32 Uhr 9 Kommentare
Apples und Samsungs Kampf um Patente wird auf vier Kontinenten ausgetragen. Quelle: Reuters

Apples und Samsungs Kampf um Patente wird auf vier Kontinenten ausgetragen.

(Foto: Reuters)

WashingtonDer endlose Patentstreit zwischen Apple und Samsung beschäftigt bereits unzählige Juristen rund um den Globus. Jetzt ist der Kampf um eine spektakuläre Wendung reicher: Einige ältere Versionen des iPhone und iPad könnten in den USA vom Markt verbannt werden.

Grund dafür ist eine überraschende Entscheidung der US-Handelsbehörde International Trade Commission (ITC) vom Dienstag. Diese verbot dem kalifornischen Technologiekonzern, die Modelle nach Amerika einzuführen.

Der Grund: Apple habe einige Mobilfunk-Patente des südkoreanischen Rivalen Samsung verletzt. Da die Geräte in Asien hergestellt werden und importiert werden müssen, kommt die ITC-Verfügung einem Verkaufsverbot gleich. Apple legte am Dienstag umgehend Berufung gegen das Urteil ein.

Betroffen von dem Bann sind zwar nur ältere Varianten der Apple-Verkaufsschlager – das iPhone 4, das iPhone 3 und 3GS sowie das iPad, iPad 2 und iPad 3, die mit der Mobilfunk-Technologie des US-Telekomanbieters AT&T ausgestattet sind. Die neuesten Generationen – iPhone 4s, iPhone 5 und die vierte iPad-Version – sind von der Entscheidung nicht berührt.

Dennoch ist das Urteil eine schwere Schlappe für Apple. „Ein Verbot ist ein Verbot“, kommentierte das Technologieblog „All Things D“. Die betroffenen Versionen werden in den USA zum Teil als billige Einstiegsmodelle verkauft – ein Feld, auf dem der Konzern neben seinen teuren aktuellen Angeboten wachsen will. So gibt es in Amerika etwa das iPhone 4 derzeit für 99 Cent mit Vertrag.

Das drei Jahre alte Gerät sei immer noch ein Verkaufsschlager, sagte Marcelo Claure vom Mobilfunk-Vertriebshändler Brightstar der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Zwar nennt Apple keine Absatzzahlen für einzelne Modelle. Die gesamte iPhone-Reihe aber macht immerhin rund die Hälfte des weltweiten Umsatzes aus.   

Die ITC beließ es am Dienstag nicht bei dem Importstopp: Sie verfügte auch gleich noch ein Verkaufsverbot für die bereits in den USA vorhandenen Geräte. Allerdings tritt der Bann noch nicht sofort in Kraft – so lange nicht über Apples Berufung entschieden ist, bleibt vorerst alles beim Alten. Zudem kann US-Präsident Barack Obama innerhalb von 60 Tagen ein Veto einlegen.

Obama will gegen „Patent-Trolle“ vorgehen
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9 Kommentare zu "Schock für Apple: US-Behörde verbannt ältere iPhone-Modelle"

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  • Amerikanischer Zentralismus. Ein Wandel.

  • Samsung liefert seit Jahren die Bausteine fürs Eiphon.

  • Es ist nur dann eine Schlappe, wenn Apple auch Strafe zahlen muss. Geld hätten sie so wie so genug. Mit dem Verbot kann Apple gut leben. Die alten Dinge werden im Ausland verkauft und in USA nur die neuen.

  • Ein Paradebeispiel, wie unsinnig die Patengesetze sind, sie Regeln nur noch Privilegien des Marktzutritts, der vernünftige Erfinderschutz tritt bedeutungsgemäß deutlich dahinter zurück.
    Damit schadet das Patentrecht der Volkswirtschaft mehr als es nützt.
    Viel offensichtlicher kann man diesen Schwachsinn wohl nicht mehr durchexerzieren.

  • Die Anwälte reiben sich schon die Hände und die Anwaltskosten senken schließlich auch die Steuerlast.

  • Wer hat das iPhone erfunden? SAMSUNG. Ist doch klar.

  • Obama entdeckt gerade mal wieder etwas zufaellig, was er eigentlich wissen muesste. Obama der Entdecker. Wuerde mich bei ihm nicht wundern, wenn er spaeter mal sagt "Meine Guete, ICH war WIRKLICH Praesident?" :-)

  • Das ist wirklich kurios. Die USA bzw ihre Konzerne sind die Patent-Troll-Spezialisten - sie haben das Patent- und Lizenzrecht pervertiert bis es seinen eigentlichen Zweck, dem Schutz des Erfinders komplett entfremdet wurde - und jetzt, wo das Ausland sich darauf eingestellt hat und zunehmend zurückschlägt, dann gibt es plötzlich "Patent-Trolle".

    Da freut man sich doch noch viel mehr auf die geplante Freihändels-Zone mit den US-Rechtsanwälten.
    (Händel heißt im Süddeutschen so etwas wie Streit)

  • "Unzählige Patentklagen werden derzeit in den USA eingeleitet: Das belastet nicht zuletzt auch die amerikanische Wirtschaft. Präsident Obama will den „Patent-Trollen“ das Leben künftig schwerer machen."

    Ein Schelm wer dabei böses denkt...

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