Schumacher will die Auszahlung noch ausstehender Bezüge erzwingen
Ex-Infineonchef droht mit Klage

Der frühere Infineon-Chef Ulrich Schumacher will die Auszahlung noch ausstehender Bezüge notfalls per Klage gegen den Chipkonzern erzwingen.

HB FRANKFURT. „Die Anwälte Schumachers haben den Aufsichtsratsvorsitzenden Max Dietrich Kley aufgefordert, den Restbetrag der ihm zustehenden Bezüge auszuzahlen“, sagte ein Sprecher Schumachers. Infineon hatte erklärt, nach Bekanntwerden von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Schumacher die Zahlungen zu überprüfen. Die Anwälte Schumachers argumentieren, er habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe widerlegt. Sie seien unbegründet, und selbst die Staatsanwaltschaft spreche nur von einem ersten Anfangsverdacht, erklärten die Anwälte nach Angaben aus Schumachers Umfeld.

Schumacher setzte dem Unternehmen eine Frist bis 11. November. Sollte die gesetzte Frist nicht eingehalten werden, wolle er klagen, hieß es. Die Begründung des Unternehmens für das Zurückhalten der Auszahlung sei fadenscheinig. Ein Bericht der „Welt am Sonntag“, wonach es um eine Summe von über vier Millionen Euro gehe, wurde in Schumachers Umfeld zurückgewiesen. Ein Infineon-Sprecher bekräftigte die Haltung des Konzerns.

Dieser prüft derzeit seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Schumacher, nachdem bekannt geworden war, dass die Staatsanwaltschaft München in der Affäre um Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang mit den früheren Motorsportaktivitäten von Infineon nun auch gegen Schumacher ermittelt. Der Ex-Konzernchef war bislang nur als Zeuge geführt worden. Gegen den Motorsportfan war der Vorwurf erhoben worden, beim privaten Kauf von Sportwagen Vorteile angenommen zu haben. Schumacher weist diese Vorwürfe zurück und hat erklärt, niemals einen Cent oder andere Vorteile angenommen zu haben.

Der Manager war Ende März 2004 überraschend als Infineon-Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. Erst ein Dreivierteljahr später einigten sich Infineon und Schumacher auf die Auflösung seines Vertrages. Details zum Aufhebungsvertrag wurden nicht genannt.

Neuer Ärger droht dem Konzern im Zusammenhang mit der Reservierung von Aktien für Mitarbeiter, deren Familienangehörige sowie Freunde des Unternehmens beim Börsengang im März 2000. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge ermittelt der Fiskus, ob es bei diesem so genannten „Friends & Family“-Programm zu Steuerhinterziehungen gekommen ist.

Anlegerschützer erwägen deswegen rechtliche Schritte. „Wir prüfen, ob hier Kleinanleger vorsätzlich sittenwidrig geschädigt wurden“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem „Focus“. „Das könnte Schadenersatzansprüche gegen Infineon und Ulrich Schumacher nach sich ziehen.“

Infineon hatte jüngst eine Durchsuchung der Konzernzentrale durch Finanzermittler im Dezember vergangenen Jahres eingeräumt. Ein Sprecher Schumachers hatte betont, dass es gegen den früheren Konzernchef im Zusammenhang mit dem „Friends & Family“-Programm kein Steuerverfahren gebe.

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