Schwache Werbeeinnahmen
Fußball-WM drückt Pro Sieben ins Quotentief

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland lässt Pro Sieben in die Abseitsfalle laufen und eine Ende des Quotentiefs ist nicht zu erwarten.

MÜNCHEN. „Wenn Deutschland spielt, hat kein anderer Sender eine Chance“, sagte Senderchef Andreas Bartl dem Handelsblatt. Der ehemalige Gewinnbringer des Münchener Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 erwartet kein schnelles Ende des Quotentiefs. „In diesem Jahr ist es wegen der WM und Olympia besonders schwer für uns“, weiß der Pro Sieben-Geschäftsführer.

Ohne sportliche Großereignisse verzeichnet der Spielfilmkanal die niedrigsten Marktanteile seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Mai lag der Anteil in der für die Werbewirtschaft wichtigen Zielgruppe bei nur 11,4 Prozent. Auch 2005 blieb der frühere Erfolgskanal deutlich unter zwölf Prozent. Ein schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Das Unternehmen geht von einer mittelfristigen Erholung aus. „Von Herbst 2006 an und vor allem nächstes Jahr werden wir wieder deutlich stärker sein und an alte Quotenniveaus anknüpfen“, sagt der 42-jährige Bartl, der seit Jahresbeginn den Kanal saniert. Der Marktanteil soll dann wieder über zwölf Prozent liegen.

Der langjährige Kabel 1-Chef steht unter großem Druck. Denn die Quartalsergebnisse des Senders waren ein Desaster. Der Umsatz in den ersten drei Monaten ging um knapp 19 Prozent auf 156 Mill. Euro zurück. Der Vorsteuergewinn brach sogar um 71 Prozent auf 7,4 Mill. Euro ein.

Bartl verbreitet dennoch Zuversicht „Wir merken im Buchungsverhalten, dass das Vertrauen in uns im Werbemarkt wieder wächst“, sagt der Fernsehmanager. Auch Gunter Thielen, Chef des Medienkonzerns Bertelsmann, prognostizierte eine Erholung im deutschen Werbemarkt von über drei Prozent. Die Medienunternehmens setzen auf eine Verbesserung der Konjunktur in Deutschland. Bartl verspricht: „Wir wollen die Rendite wieder deutlich steigern. Aufs Jahr 2006 gesehen wird Pro Sieben weiterhin einer der profitabelsten Sender im deutschen TV-Markt sein.“

Pro Sieben ist seit Monaten eine Baustelle. Derzeit arbeitet der Spielfilm- und Seriensender am Vorabendprogramm. Die im März gestartete Telenovela „Lotta in Love“ erweist sich als Flop. Derzeit wird die Herz-Schmerz-Geschichte ungebaut. Sollte der Optimierungsversuch fehlschlagen, droht „Lotta“ das Aus. „Wie die Zukunft von ’Lotta’ aussieht, entscheiden wir im Laufe des Sommers", sagt Bartl.

Die Zukunft der gesamten Sendergruppe (Pro Sieben, Sat 1 , Kabel 1, N 24, Neun Live) steht unterdessen in den Sternen. Der US-Medienunternehmer Haim Saban und seine Partner, eine Reihe von Finanzinvestoren, hatten vor zwei Wochen ihre Beteiligung bei der Emission einer Anleihe über 1,25 Milliarden Euro als Sicherheit verpfändet. Diese Transaktion wird als Signal interpretiert, dass Saban seine Verkaufsbemühungen erst einmal aufgegeben hat. Offenbar gab es seit dem gescheiterten Verkauf der Senderfamilie an den Printkonzern Axel Springer kein finanziell attraktives Angebot mehr.

Derzeit kursieren in Finanzkreisen Spekulationen, die Münchener Sendergruppe werde zweigeteilt, um so einen höheren Verkaufspreis zu erzielen. „Da ein Gesamtverkauf sehr schwierig ist, wäre eine Aufteilung zur Not eine Option“, sagt auch Stefan Weiss, Analyst der West LB. In Vorstandskreisen wurde aber eine Zerschlagung gestern als völlig abwegig bezeichnet. Auch Senderchef Bartl sagte: „Die Senderfamilie ist sinnvoll, vor allem im Programmeinkauf und in der Werbezeitenvermarktung."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%