Schwacher Werbemarkt
Fernsehproduzenten unter Druck

Es kommt hart auf hart in der Filmbranche. Der schwache Werbemarkt schlägt durch. Folge: Die TV-Sender setzen Film- und Fernsehproduzenten unter Druck. Dem werden nicht alle standhalten. Eine Marktbereinigung ist für Experten unausweichlich.

DÜSSELDORF. Die TV-Sender setzen die Film- und Fernsehproduzenten zunehmend unter Druck: Die Konzerne geben die rückläufigen Einnahmen aus der TV-Werbung direkt an die Hersteller von Shows, Serien und Spielfilmen weiter. "Der Spardruck bei den Sendern kommt bei uns an", sagt Ute Biernat, Chefin von Grundy Light Entertainment. Die Kölner Produktionsfirma stellt beispielsweise für RTL die Musiktalentshow "Deutschland sucht den Superstar" oder für die ARD das Quiz mit Jörg Pilawa her.

"Anfang 2009 wird die Situation noch schlimmer", warnt die Produzentin. Auch andere Produzenten wie die Odeon Film sind skeptisch: "Der Markt für Auftragsproduktionen wächst nicht mehr", sagt Vorstandschef David Groenewold, dessen Firma Serien wie "Türkisch für Anfänger" (ARD) oder "Ein Fall für zwei" (ZDF) produziert.

Die Fernsehbranche stellt sich angesichts der schwachen Konjunktur auf schlechte Zeiten ein. Infolge der Finanzkrise kürzen viele Unternehmen ihre Werbebudgets, den Sendern brechen deshalb die Einnahmen weg. Zuletzt hatte die angeschlagene Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ihre Prognose ersatzlos gestrichen. Auch der Konkurrent RTL erwartet keine schnelle Erholung des Werbemarkts.

Die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, stellt sich deshalb auf harte Zeiten ein. "Sollten die Sender ihre Einsparungen verschärfen, können wir Notfallmaßnahmen einleiten", sagt Biernat. Details des Plans will die Unternehmerin aber nicht verraten. Ein Arbeitsplatzabbau sei derzeit nicht vorgesehen. Bereits vor zwei Jahren zog ihre Firma vom Medienvorort Hürth nach Köln, um die Kosten zu senken.

Grundy Light Entertainment erzielte 2006 einen Umsatz von annähernd 20 Mio. Euro. Neuere Zahlen hat das Unternehmen mit 90 fest angestellten Mitarbeitern noch nicht veröffentlicht. Die Umsatzrendite lag zuletzt im zweistelligen Bereich. "Unsere Umsatzrendite ist sehr gesund", sagt Biernat. Damit das Renditeniveau nicht sinkt, will Grundy den sparsamen Sendern nun neue Billig-Formate anbieten.

In der seit Jahren verwöhnten Branche wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. "Es gibt kein Wachstum des Produktionsmarktes", sagt Jan Mojto, dem die Produktionsfirma Eos ("Napoleon") und die Filmrechtefirma Beta Film ("Das Leben der Anderen") gehören. Der Produzent ist nur wenig auf das Privatfernsehen angewiesen. Seine teureren Produktionen verkauft der Medienunternehmer bevorzugt an ARD und ZDF.

Die Produzenten erwarten wegen der schwierigen Lage eine Konsolidierung in der Branche. "Es wird zu einer Marktbereinigung unter den Fernsehproduzenten kommen", sagt Biernat. "Vor allem kleinere Produzenten kommen angesichts der Sparwelle unter Druck." Auch Mojto ist skeptisch: "Die Konsolidierung wird kommen. Vor allem kleine Produzenten mit zwei oder drei Produktionen im Jahr geraten unter Druck", sagte der frühere Stellvertreter von Leo Kirch.

Brancheninsider erwarten, dass angesichts der schwierigen Marktlage die eine oder andere Firma von ihren Gesellschaftern verkauft wird. So hat der britische Privatsender ITV vor wenigen Wochen die Berliner Fernsehproduktionsfirma Imago ("Die Ausreißer") übernommen. ITV zahlt für den 51-prozentigen Anteil zwei Mio. Euro und bei einer guten Gewinnentwicklung bis 2010 weitere 3,7 Mio. Euro. Zudem haben die Briten die Option, die restlichen Anteile zu kaufen. Grundy lässt die bevorstehende Verkaufswelle hingegen unbeeindruckt. "Wir werden keine Firmen dazu kaufen. Wir setzen auf organisches Wachstum", sagt Biernat

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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