Schwaches Werbegeschäft
US-Medienkonzerne trennen sich von Radios

Der amerikanische Radiomarkt steht vor einer tiefgreifenden Neuordnung. Neue Abo-Radios ziehen die Hörer an und gefährden das Geschäftsmodell klassischer werbefinanzierter Sender. Zudem sinkt der Anteil der Radiostationen am Werbekuchen insgesamt.

sfu DÜSSELDORF. Ein Grund für große Medienkonglomerate, sich von ihren Radiobeteiligungen zu trennen. Experten erwarten, dass die Konsolidierung in den nächsten Monaten in Schwung kommt.

"Amerikanische Radios haben heute die Spitze dessen erreicht, was möglich ist - sowohl bei der Hörerzahl, als auch bei den Werbeeinnahmen", sagt Klaus Goldhammer, Gründer der Medienberatung Goldmedia. Der Markt ist fragmentiert, der Wettbewerb hoch. 2004 konkurrierten mehr als 13 000 Sender um jeweils eine Millionen Hörer. In Deutschland kommen auf die gleiche Hörerzahl nur rund 300 Sender.

Zwar wird der Markt dadurch für Werbekunden attraktiver - 13 Prozent der amerikanischen Werbegelder fließen in den Hörfunk, in Deutschland sind es netto nur rund drei bis vier Prozent. Doch die Margen der Sender sinken. In Deutschland erwirtschaften landesweit aktive Sender Renditen, die wesentlich höher sind als bei vergleichbaren Anbietern in den Vereinigten Staaten.

"Vor diesem Hintergrund investieren Medienholdings lieber in neue Geschäftsfelder, anstatt sich um ihre Radioaktivitäten zu kümmern", sagt Berater Goldhammer. Sowohl die Infinity-Gruppe von Viacom, als auch die ABC Radios des Walt Disney-Konzerns stehen demnächst zum Verkauf. Als Käufer werden mittelgroße Gruppen wie Cumulus Media in Atlanta und Citadel Broadcasting in Las Vegas gehandelt.

Übernahmen und Kostensenkungen allein lösen das Problem aber nicht. Denn es ist grundsätzlicher Natur: "Die Hörer sind unzufrieden mit den Mainstream-Programmen und werbemüde", sagt Rik de Lisle von der US-Unternehmensberatung Alan Burns, die auf Radiostationen spezialisiert ist. Amerikanische Sender berieseln ihre Hörer mit 15 bis 20 Minuten Reklame pro Stunde Programm. In Deutschland kommen private Sender im Schnitt gerade einmal auf drei bis vier Minuten.

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