Schwächeres Wachstum
Finanzkrise trifft Medienbranche

Die Mediaagenturen prognostizieren ein geringeres Wachstum der Werbeausgaben. Auch die deutsche Kreativ-Branche rechnet mit einem Dämpfer, die Medien selbst hat die Krise schon erreicht. Hoffnung macht aber die deutsche Binnenkonjunktur.

DÜSSELDORF. Die in den USA ausgelöste Immobilien- und Bankenkrise wird nach Einschätzung von Mediaagenturen negative Folgen für die Medienbranche in Nordamerika und Europa haben. Nach einer Studie der Mediaagenturgruppe Zenith Optimedia werden die Werbeausgaben in Europa und Nordamerika langsamer als ursprünglich erwartet wachsen. Zenith geht für dieses Jahr nur noch von einem Wachstum von 3,8 Prozent in Europa und Nordamerika aus. Im Dezember prognostizierte die einflussreiche Mediaagentur noch einen Sprung von 4,4 Prozent.

Auch Deutschland kann sich dem Negativtrend nicht entziehen. "Die Finanzkrise wird an uns nicht spurlos vorübergehen. Es wird zu einer weiteren Korrektur der bisherigen Prognosen kommen", sagte Carl-Philipp Mauve, Geschäftsführer des Werbekonzerns BBDO, dem Handelsblatt. Auch Michael Bohn, Vorstand von Zenith Optimedia, erwartet negative Folgen: "Für Deutschland gehen wir davon aus, dass die internationale Finanzkrise der an sich guten Werbekonjunktur einen Dämpfer verpassen wird." Zenith Optimedia ist eine Tochter des französischen Werbekonzerns Publicis, der in 69 Ländern weltweit präsent ist.

Die Skepsis bei Marktkennern wächst. "Die Immobilienkrise in den USA macht hierzulande keinen Mut", sagte Martin Fabel, Medienexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney. "Die internationale Entwicklung geht an uns nicht spurlos vorüber", prognostiziert Antonella Mei-Pochtler, Managing Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Sie werde aber nicht so durchschlagen, weil die Binnenkonjunktur robuster werde. Zuletzt hatte auch die Mediaagentur Carat ihre Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert.

Bei den Medien ist die abgeschwächte Werbekonjunktur bereits angekommen. "Grundsätzlich spüren wir die Finanzkrise schon. Die ersten beiden Monate waren schwach", sagte eine Sprecherin des größten deutschen Privatradiovermarkters RMS. Der Branchenprimus erwartet für die privaten Radios in diesem Jahr ein Bruttowachstum von lediglich ein bis zwei Prozent.

Auch die Fernsehbranche ist für dieses Jahr skeptisch. "Dass es kein wunderbares Jahr werden wird, haben wir bereits vorher gewusst", sagte Claude Schmit, Chef des Kinderssenders Super RTL. Die RTL -Sendergruppe geht für 2008 von einem Wachstum von nur noch ein bis drei Prozent aus. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr stiegen die Brutto-Werbeeinnahmen aller TV-Sender in Deutschland nach Angaben der Marktforschungsfirma Nielsen noch um 4,2 Prozent.

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