Schwarzen Balken bei 4:3-Geräten
Fußball-WM soll Breitbild-TV vorantreiben

Die Elektronikindustrie verspricht sich viel von der Fußball-WM 2006. Da die Spiele meist im von Hollywood-Filmen bekannten Breitformat ausgestrahlt werden, rechnen die Hersteller nun auch mit einem Nachfrageschub für Fernseher mit passenden 16:9-Displays.

HB HAMBURG. Die meisten Fernsehzuschauer in Deutschland sitzen vor Bildschirmen mit dem traditionellen Format 4:3 und kennen daher aus vielen Sendungen die schwarzen Streifen oben und unten im Bild. Spielfilme aus Hollywood in Breitformaten wie Cinemascope, aber auch etliche eigenproduzierte TV-Filme („Tatort“) und Shows im Format 16:9 können nur so komplett auf ihrem Fernseher abgebildet werden.

Nun sollen im kommenden Jahr auch die Bilder von der Fußball-WM in Deutschland bei ARD und ZDF mit schwarzen Balken auf die 4:3-Geräte flimmern, denn die Übertragungen werden im Auftrag des Weltfußballverbandes FIFA einheitlich in 16:9 produziert. Die Sender standen vor der Wahl, entweder die schwarzen Balken in Kauf zu nehmen oder links und rechts einen Teil des Bildes wegfallen zu lassen. ARD und ZDF, die zusammen 48 oder 49 der insgesamt 64 Partien übertragen, entschieden sich für die erste Variante, RTL (acht Spiele) für die zweite.

Der Bezahlsender Premiere bietet seinen Abonnenten beide Möglichkeiten an. Sie können je nach Gerät per Fernbedienung das eine oder das andere Format wählen und entscheiden so selbst, ob sie das komplette Bild - gegebenenfalls mit Balken - sehen oder nicht.

Die Elektronikindustrie erhofft sich von dem Fußballfest im nächsten Jahr nicht nur einen Nachfrageschub bei Fernsehgeräten allgemein, sondern speziell bei den großformatigen Breitbildmodellen. Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) und der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erwarten für das laufende Jahr einen Anteil der 16:9-Modelle von etwa 65 % an den verkauften Geräten, im nächsten Jahr vielleicht sogar 75 %. Im vergangenen Jahr waren es laut ZVEI noch gut 50 %. Insgesamt hofft die Branche nach gfu-Angaben, 2005 sechs Mill. Fernseher abzusetzen, vielleicht sogar mehr. Das liefe auf ein zweistelliges Wachstum hinaus.

Schon seit längerem versucht die Industrie, den Zuschauern das Breitbildformat schmackhaft zu machen. In jüngster Zeit beschleunigen besonders die - überwiegend in 16:9 hergestellten - großen Flachbildschirme den Formatwechsel deutlich. Dabei ist die Wahl zwischen den - preisgünstigeren - Röhrenmodellen und den flachen LCD- oder Plasmageräten vor allem eine Preisfrage.

„Die Entscheidung von ARD und ZDF im Vorfeld der Fußball-WM ist ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentierte der Vorsitzende des ZVEI-Fachverbandes Consumer Electronics, Hans-Joachim Kamp. Schon im März 2005 verlautbarte die gfu in sicherer Vorahnung der weiteren Entwicklung: „Gerade für Fußball-Sendungen eignet sich das 16:9- Format perfekt.“ So biete das breitere Format einen „sehr viel besseren Überblick“ als das herkömmliche, bei dem „der Aufbau der Spielzüge häufig aus dem Blick“ gerate. „Wir können schon heute sagen, dass der Übergang zum 16:9-Format unumkehrbar ist“, erklärte gfu-Aufsichtsratschef Rainer Hecker. „Das Weltmeisterschaftsjahr 2006 wird die Umstellung zum Breitbild-Format weiter entscheidend voranbringen.“

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