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07.08.2008 
Abo-Fernsehsender

Schwarzseher belasten Premieres Geschäfte

Der Abo-Fernsehsender Premiere will seinen Kundenschwund durch neue Verschlüsselungstechniken und eine große Werbekampagne stoppen. Denn Schwarzseher, die den Sicherungscode geknackt hätten und umsonst Premiere schauten, machte Premiere-Chef Michael Börnicke für die gedämpfte Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal verantwortlich.

Der Vorstandsvorsitzende des Fernsehsenders Premiere, Michael Börnicke, gab sich schon auf der Hauptversammlung in München kämpferisch. Foto: dpaLupe

Der Vorstandsvorsitzende des Fernsehsenders Premiere, Michael Börnicke, gab sich schon auf der Hauptversammlung in München kämpferisch. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Auch noch im dritten Quartal werde Premiere darunter leiden, erläuterte Börnicke am Donnerstag. Der Bezahlsender werde die Sicherheitslücke aber bald schließen. "Im zweiten Halbjahr wollen wir stark wachsen, viele Neukunden gewinnen und den Umsatz pro Kunde erhöhen", sagte er.

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz zwar um 19 Prozent auf 272 Mill. Euro. Der Nettoverlust vergrößerte sich aber auf 38 (Vorjahr: 33) Mill. Euro, was die Befürchtungen der Analysten noch überstieg. Sie hatten im Schnitt nur mit einem Minus von 25 Mill. Euro gerechnet. Dazu gingen dem Abosender, der zu 25 Prozent der News Corp von Medienmogul Rupert Murdoch gehört, auch noch Kunden verloren: Gegenüber dem ersten Quartal fiel die Abonnenten-Zahl um knapp 85 000 auf 4,16 Millionen.

Den Hauptgrund für den Rückgang sieht Premiere in den vielen Schwarzsehern, deren Zahl Börnicke auf 1,5 Mill. schätzt. Daher arbeite Premiere mit Hochdruck an der Einführung der neuen Sicherheitstechnik. Der Austausch von Zugangskarten bei den Kunden habe schon begonnen, Ende des dritten Quartals soll er abgeschlossen sein. Premiere hofft, so aus dem Kreis der Nicht-Zahler mindestens 200 000 Neukunden zu bekommen. "Jeder, der sich einen gehackten Receiver gekauft hat, wird bald merken, dass es Premiere nur für Premiere-Abonnenten zu sehen gibt", sagte Börnicke, der im Herbst 2007 den charismatischen Firmenchef Georg Kofler an der Spitze des Unternehmens abgelöst hatte.

Hinzu komme eine neue Preis- und Angebotsstruktur, die seit Juli gilt und schon zu einer Steigerung des durchschnittlichen Umsatzes pro Kunde (ARPU) geführt habe, erläuterte der Manager weiter. Das werde sich im dritten Quartal fortsetzen. Auch die Zahl der Kunden werde netto wieder steigen - auch dank einer Marketingkampagne, die sich der Sender rund 40 Mill. Euro kosten läst.

Bei der Vergabe der Fernseh-Rechte für die Fußballbundesliga ab der Saison 2009/10 rechnet Premiere mit weiteren Verzögerungen. "Der Prozess könnte sich noch bis November, Dezember hinziehen", sagte Börnicke. Premiere will die Bezahl-TV-Rechte erwerben, aber mehr Exklusivität durchsetzen.

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