Schwere Korruptionsvorwürfe
Siemens kämpft um Image in China

Dubiose Berater, Schmiergelder überall: Nach entsprechenden Presseberichten aus China geriet Siemens in Erklärungsnot. Jetzt reagierte der Konzern erstmals auf die Vorwürfe. Ihm sind keine größeren Fälle von Korruption bekannt. Bei den bislang aufgedeckten Unregelmäßigkeiten handele es sich ausschließlich „um kleinere Fälle“.

PEKING. Die Vorwürfe, wonach Siemens fast alle China-Aufträge über dubiose Berater abwickele und mehr als die Hälfte des Chinas-Geschäfts auf Schmiergelder basierten, seien „wirklich nicht haltbar“, sagte Siemens-China-Chef Richard Hausmann in Peking.

Der Konzern reagierte damit erstmals in China auf entsprechende Presseberichte. Siemens hatte vor einigen Tagen in Schanghai Unregelmäßigkeiten eingeräumt. Vorstandschef Peter Löscher hatte laut Agenturberichten bei seinem ersten Besuch in der Volksrepublik betont, dass Bestechungen als Verstoß gegen die Unternehmenspolitik in keinem Fall geduldet werden würden.

Siemens-China-Chef Hausmann bestätigte, dass es in den vergangenen zwölf Monaten in der chinesischen Landesgesellschaft 20 Entlassungen wegen aufgedeckter Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Dies betreffe alle Sparten und alle Konzernebenen. „Darunter sind auch Führungskräfte“, sagte Hausmann. Allerdings handele es sich nicht immer um Korruptionsvorgänge. Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Vor gut zwei Jahren sind nach seinen Worten alle Beraterverträge von Siemens in China überprüft worden. Die Verfahren mit Beratern seien unter ihm nochmal deutlich verschärft worden. Hausmann ist seit 2005 Siemens-China-Chef.

„Wir haben gelernt, dass noch mehr Maßnahmen nötig sind“, räumte er jedoch mit Blick auf die aktuellen Vorwürfe ein. Seit kurzem bietet Siemens in China ein anonymes Beschwerdesystem im Internet an, über das Mitarbeiter intern Unregelmäßigkeiten melden können. „Das wird schon gut genutzt und wir gehen jedem Hinweis knallhart nach“, sagte Hausmann. Zudem ermögliche ein neues Computersystem die Überprüfung jeder Zahlung im weiten China-Netz. Dabei werden die Zahlungen in der Zentrale in Peking erfasst und überprüft.

Siemens macht in der Volksrepublik umgerechnet rund fünf Mrd. Euro Umsatz und beschäftigt momentan 46 000 Mitarbeiter. China ist damit der wichtigste Wachstumsmarkt des Münchner Konzerns, der insgesamt in 190 Ländern aktiv ist. Allein im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 39 Prozent zu. Dafür hat das Unternehmen in China bereits etliche Milliarden investiert.

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