Schwieriges Erbe
Apple, ein Jahr ohne Jobs

Vor einem Jahr starb Steve Jobs, der Mann hinter dem sagenhaften Erfolg von Apple. Auch nach seinem Tod schwebt der Geist des „iGod“ über allem, was der Konzern tut. Für Nachfolger Tim Cook ein schwieriger Balanceakt.
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Cupertino/Berlin„Mit Steve Jobs wäre das nicht passiert!“, lautet das Leitmotiv vieler Kommentare zu Apples Fehlstart mit seinem fehlerbehafteten eigenen Kartendienst. Selbst die seriöse „New York Times“ ließ sich zu der Frage hinreißen, ob der legendäre Firmengründer wohl die falschen Adressen-Markierungen und zerknüllten 3D-Bilder toleriert hätte. Die aktuelle Debatte um den seltenen Apple-Fehltritt belegt, wie groß die Jobs-Nostalgie ein Jahr nach seinem Tod ist - und dass Erinnerung verklärt: Denn auch unter dem „iGod“ lief bei weitem nicht alles rund.

So versiebte Apple 2008 den Start des Online-Speicherdienstes MobileMe durch massive technische Probleme. Der für seine Wutausbrüche berüchtigte Jobs tobte und tauschte die Führung des MobileMe-Teams aus.

Zwei Jahre später folgte das „Antennagate“: Vor allem US-Nutzer klagten massenhaft über Empfangsprobleme beim iPhone 4 mit der ungewöhnlichen Design-Lösung, die Antennen in einem Metallring an der Außenkante unterzubringen.

Damals dauerte es gut drei Wochen, bis Apple auf die wie ein Schneeball anwachsende Kritik reagierte: Jobs lud zu einer Pressekonferenz, in der er das iPhone verteidigte und angebliche Schwächen von Konkurrenzgeräten anprangerte. Die aufgeregten Kunden wurden schließlich mit einer kostenlosen Schutzhülle für das iPhone besänftigt. Bei den aktuellen Karten-Problemen reagierten die Jobs-Nachfolger viel schneller. Apple gelobte schon nach einem Tag Besserung. Und eine Woche später folgte ein öffentliches „Sorry“ des neuen Konzernchefs Tim Cook, gepaart mit der außergewöhnlichen Ermutigung, vorerst ruhig mal auf Konkurrenzdienste etwa von Google oder Nokia umzusteigen.

Diese größere Offenheit ist der auffälligste Unterschied zwischen dem Apple der Jobs-Ära und der Handschrift seines Nachfolgers Cook. Nach abermaligen Vorwürfen der Ausbeutung chinesischer Arbeiter beim Auftragsfertiger Foxconn ließ der Konzern erstmals externe Prüfer in die Betriebe und veröffentlichte eine Liste aller Zulieferer. Der Austritt aus einem Umweltsiegel wurde schnell wieder zurückgenommen. Und die Aktionäre bekommen die langersehnte Dividende, die Jobs ihnen immer verweigert hat - angesichts des auf rund 120 Milliarden Dollar angewachsenen Geldberges war die bisherige Knausrigkeit allerdings auch immer schwerer zu erklären.

Tim Cook scheint also ganz nach dem letzten Geheiß seines Mentors zu agieren: „Bloß nicht sich die Frage stellen, was würde Steve tun.“ Der Bruch mit scheinbaren bisherigen Dogmen geht bis in technische Details: Das iPhone 5 bekam nach fünf Jahren erstmals einen größeren Bildschirm, für die nächsten Wochen wird mit einem kleineren iPad-Modell gerechnet, während Jobs die Geräteklasse einst als „Totgeburt“ abgestempelt hatte.

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Tim ist Cook und nicht Jobs

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  • es ist ein Trugschluß zu glauben: "Jobs ist unersetzbar". Es ist sicherlich schweirig einen Visionär zu ersetzen...aber: auch in der Formel 1 wurde M.S. von besseren Fahrern "überholt".

    Statt sich bei Apple ständig über Jobs Gedeanken zu machen mit was wäre wenn, sollte sich der Laden eher darauf konzentrieren seine Produkte kundenfreundlicher zu machen. In dieser Hinsicht ist dort noch erheblich Nachholbedarf. Und als kundenfreundlicher Service verstehe ich nicht Mitarbeiterschleimspuren an der Geniusbar vorzufinden.

    Appleprodukte sind gut. Heilige Geräte sind sie für mich allerdings nicht; und wenn sich hier einiges nicht ändert, schmeiß ich meine Geräte irgendwann einfach in die Tonne.

    In diesem Sinne: Geniusbar. Haben Sie einen Termin?

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