Schwierigkeiten bei französischen Tageszeitungen
„Le Monde“ kämpft ums Überleben

Die beiden größten französischen Tageszeitungen stecken in der Krise. Während Marktführer „Le Monde“ mit dem Abbau von 15 Prozent der Stellen endlich aus den roten Zahlen kommen will, tobt bei „Le Figaro“ ein interner Kampf zwischen der Redaktion und dem neuen Mehrheitseigner, dem Großindustriellen Serge Dassault, um die Unabhängigkeit des Blattes.

cn PARIS. Nach drei Verlustjahren in Folge kämpft die linksliberale „Le Monde“ ums Überleben. Von 2001 bis 2003 verdoppelte sich der Jahresverlust auf 23 Mill. Euro. Um ab 2005 acht Mill. Euro einzusparen, sollen 100 von 730 Angestellten gehen, verlangt Verlagschef Jean-Marie Colombani. Fänden sich bis Mitte Oktober nicht genügend Freiwillige, werde Le Monde vor Entlassungen nicht Halt machen. Nur so könne man das Geschäftsjahr 2005 mit einer schwarzen Null abschließen. Im Juni hatte Colombani 92 Mitarbeitern der Druckerei gekündigt.

Die Notmaßnahmen zeigen, dass Colombanis bisherige Strategie gescheitert ist. Um das Traditionshaus, das mehrheitlich den Mitarbeitern gehört, breiter aufzustellen, kaufte er die Verlage Midi Libre und Publications de la Vie Catholique (PVC). Besonders PVC mit seinen Gewinnen sollte das Qualitätsblatt „Le Monde“ stärken.

Auch den Rückgang der Auflage von „Le Monde“ – das Blatt verliert pro Jahr etwa sechs Prozent seiner 400 000 Käufer – hat Colombani bisher nicht gestoppt. Das neue Hochglanz-Wochenmagazin „Le Monde 2“ brachte nicht den gewünschten Erfolg. Ab sofort soll das Magazin freitags und damit einen Tag eher als bisher erscheinen.

Wie tief „Le Monde“ in der Krise steckt, zeigt Colombanis Überlegung, das Blatt künftig ab 2006 morgens erscheinen zu lassen. Das soll in der französischen Provinz neue Leser gewinnen. Dort kommt die einstige Abendzeitung, die in Paris mittags erscheint, oft erst am nächsten Tag an. Ein früheres Erscheinen hätte jedoch zur Folge, dass die hauseigene Druckerei nicht mehr die Wirtschaftszeitung „Les Echos“ der britischen Pearson-Gruppe (“Financial Times“) herstellen könnte – ein Großauftrag ginge verloren.

Weniger existenziell sind die Sorgen bei „Le Figaro“. Seit Serge Dassault im März 80 Prozent am FigaroVerlagshaus Socpresse für geschätzte 500 Mill. Euro übernahm, braucht das konservative Blatt um sein Überleben nicht zu bangen. Dafür stemmen sich die Redakteure gegen die Einflussnahme des neuen Inhabers. Dassault verhindere unliebsame Interviews und verlange, dass Gastkommentare, die nicht mit dem Standpunkt des Hauses übereinstimmen, durch entsprechende Hinweise ergänzt werden, empören sich Redakteure anonym in Konkurrenzblättern. In einer Krisensitzung mit der Redaktion mühte sich Chefredakteur Jean de Belot um Entspannung: Er garantiere die Unabhängigkeit des Blattes.

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