Schwindende Finanzkraft
Olympus: Partner dringend gesucht

Bislang ist es für Olympus ein Teufelskreis: Um an dringend benötigtes Kapital zu kommen, braucht der Elektronikkonzern einen Partner. Für Interessenten ist Olympus aber nur mit genügend Eigenkapital attraktiv.
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TokioNach seinem milliardenschweren Bilanzskandal gerät der japanische Kamera- und Medizingerätehersteller Olympus immer stärker in Schieflage. Die schwindende Finanzstärke setzt das Unternehmen zunehmend unter Druck, endlich einen kapitalstarken Partner zu finden. Ende Juni belief sich die Eigenkapitalquote auf nur noch 2,2 Prozent, nachdem es drei Monate zuvor noch 4,6 Prozent waren, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Als gesunde Finanzausstattung gilt unter Analysten die Marke von 20 Prozent.

In fünf Jahren will Olympus auf eine Quote von 30 Prozent kommen. Um zunächst das Niveau von zehn Prozent zu erreichen, braucht der Konzern nach eigener Auskunft frisches Geld in Höhe von umgerechnet rund 516 Millionen Euro (50 Milliarden Yen). Olympus benötige eine Kapitalspritze vor Ablauf des Geschäftsjahres Ende März, sagte Manager Yasuo Takeuchi. Die Firma sei weiter in Diskussionen mit mehreren potenziellen Partnern. „Ich kann nicht im Detail ausführen, warum die Verhandlungen Zeit erfordern“, sagte Takeuchi. Doch Analysten werden allmählich ungeduldig. „Sie müssen etwas tun“, sagte Expertin Nanako Imazu von CLSA Asia Pacific Markets in Tokio. „Warum sind sie so entspannt?“

Um die Bilanz in Ordnung zu bringen, hatte Olympus bereits Kontakte zu FujiFilm Holdings und dem heimischen Elektronikriesen Sony. Nach Informationen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen befinden sich Gespräche über einen Anteilskauf von Sony in einem abschließenden Stadium. Der Medizintechnik-Konzern Terumo hatte vergangenen Monat mitgeteilt, im Gegenzug für eine Geldinjektion über 50 Milliarden Yen eine gemeinsame Dachgesellschaft mit Olympus anzustreben. Vorige Woche überraschte Terumo dann aber mit einer Klage gegen den Olympus-Konzern, weil dieser vor Unterzeichnung einer früheren Partnerschaftsvereinbarung vor sieben Jahren seinen Bilanzbetrug nicht offenbart hatte.

In dem 93 Jahre alten Traditionsunternehmen hatten Verantwortliche über 13 Jahre lang Falschbilanzierungen über rund 1,3 Milliarden Euro vertuscht. Im vergangenen Quartal musste Olympus einen 60-prozentigen Einbruch des operativen Gewinns auf umgerechnet 22 Millionen Euro verkraften. Während die Medizintechnik ihr Ergebnis steigern konnte, machte das Kamerageschäft Verluste. Hinzu kamen deutliche Belastungen durch den starken Yen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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