Sebald
Burda übernimmt Druckerei von Schlott

Der Medienkonzern Burda übernimmt die Nürnberger Druckerei Sebald von der im Insolvenzfahren befindlichen Schlott-Gruppe.
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DüsseldorfDer Medienkonzern Burda übernimmt die Nürnberger Druckerei Sebald von der im Insolvenzfahren befindlichen Schlott-Gruppe. Das teilte Insolvenzverwalter Siegfried Beck am Dienstagabend mit.

Die Bertelsmann-Drucktochter Prinovis, Europas größter Tiefdruckkonzern, geht damit leer aus. Laut Burda haben der zeitgemäße Maschinenpark und die erfahrene Belegschaft den Ausschlag gegeben. Die rund 220 Arbeitsplätze in Nürnberg sollen erhalten werden, teilte Schlott mit.

Der Münchener Medienkonzern Burda hat sich erst im Februar mit der Mönchengladbacher Tiefdruck Schwann-Bagel (TSB-Gruppe) im Vertrieb, bei der Auftragsbearbeitung und Produktionsplanung verbündet. „Wir wollen durch die Zusammenlegung unsere Wettbewerbssituation verbessern", sagte Burda-Druck-Chef Egon Weimer damals dem Handelsblatt.

Außerdem hat die Bremer Unternehmensgruppe Stark die ebenfalls in Nürnberg ansässige Schlott-Werbeagentur Media2print übernommen. „Mit Burda und der Stark Unternehmensgruppe haben wir zwei starke Investoren gefunden, die in Marktausrichtung und Portfolio gut zu den beiden Unternehmen passen“, sagte Insolvenzverwalter Beck.

Über Details des vom Bankhaus Metzler begleiteten Verkaufs wurde nichts bekannt. Die Kartellbehörde müssen die beiden Übernahmen noch prüfen. Schlott waren Überkapazitäten und Preisverfall zum Verhängnis geworden. Mitte Januar meldete die Druckerei Insolvenz an, nachdem die Gläubiger es abgelehnt hatten, weiteres Geld zur Verfügung zu stellen. in den vergangenen neun Monaten belief sich der Verlust nach Steuern auf 27 Millionen Euro – bei dramatisch gesunkenen Erlösen von 231 Millionen Euro.

Zudem startet der Medienkonzern mit seinen 1500 Mitarbeitern ein auf zwei Jahre angesetztes Wachstumsprogramm. Verlagsvorstand Philipp Welte, ein enger Vertrauter von Verleger Hubert Burda, will vor allem die Profitabilität des Unternehmens steigern. Der Plan, hausintern „Speed“ genannt, wird das gesamte Kerngeschäft des Verlags einschließlich Vermarktung, Vertrieb und Marktforschung betreffen.

„Wir handeln aus einer Position der Stärke", sagte Welte dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). "Wir sind kerngesund. Denn jede unserer 70 Zeitschriften in Deutschland ist profitabel.“ Angesichts der Dynamik der Veränderungen in der Medienbranche bedeute Stillstand jedoch unmittelbar Rückschritt. Es sei kein Konsolidierungs- oder Sparprogramm, versprach Welte und ergänzt: „Personalabbau ist kein Thema.“ Schließlich habe sein Haus die Profitabilität der Zeitschriften „signifikant gesteigert“.

Welte will zum einen im Kerngeschäft wachsen und neue Zeitschriften gründen. Zum anderen soll Burda auch die Randbereiche des Verlagsgeschäfts ausbauen. Welte: „Wir werden versuchen, Wachstum auch aus Bereichen wie E-Commerce, Merchandising und TV-Produktion zu generieren."

Um die Wachstumsinitiative schnell umzusetzen, hat Burda eigens eine Burda Magazine Holding gegründet. Anfang Mai wird dort Gregor Vogelsang, bislang Medienexperte der Unternehmensberatung Booz & Company, die Funktion eines Chief Operating Officer (COO) übernehmen.

 

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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