Sechs Fragen an: Telekom-Analyst Sebastian Wandtke
„Der Markt gibt keinen Vorschuss“

Sebastian Wandtke, Telekom-Analyst bei der Fondsgesellschaft Cominvest, über den Vorstandswechsel bei der Telekom, eine mögliche Zusammenlegung von Mobilfunk und Festnetzgeschäft sowie den Verkauf des US-Geschäfts.

Wie bewerten Sie den Vorstandswechsel bei der Telekom?

Ich stehe dem neutral gegenüber. Mit einer völlig neuen strategische Ausrichtung der Telekom, wie sie viele Marktteilnehmer erwarten, rechne ich nicht. Dafür ist der Konzern aufgrund seiner Vergangenheit als Staatsunternehmen zu unflexibel.

Was wird Herr Obermann denn überhaupt ändern können?

Er wird die Kosteneinsparungen sicherlich offensiver angehen, als dies sein Vorgänger konnte. Und kurzfristig sind Kostensenkungen das Wesentliche. Da führt kein Weg dran vorbei, wenn man im Wettbewerb bestehen will. Im europäischen Vergleich ist die Telekom immer noch auf einem niedrigeren Effizienzlevel als die Konkurrenten, beispielsweise Telefonica.

Neben Kostensenkungen und einem besseren Service ist die Zusammenlegung von Mobilfunk und Festnetzgeschäft im Gespräch. Was halten Sie davon?

Eine engere Zusammlegung der Produkte (Bundling) ist ein sehr sinnvoller Schritt. Durch die Trennung der Bereiche hat es in den vergangenen Jahren viele Reibungsverluste gegeben, da sie miteinander im Wettbewerb standen. Eine Annäherung beider Sparten erleichtert eine einheitliche Strategie für den Konzern.

Auch über einen Verkauf des US-Geschäfts wird diskutiert…

Ich glaube nicht, dass es zu solch einem drastischen Schritt kommen wird. Und bin auch nicht der Meinung, dass dies richtig wäre. Sicher: Wenn jemand bereit wäre, für die US-Tochter einen ordentlichen Preisaufschlag zu bezahlen, müsste man darüber nachdenken. Aber die Telekom verdient in den USA Geld und wächst dort mit hohen Raten. Und sie hat dort viel Geld in Mobilfunklizenzen investiert.

Hätte sie dieses Geld nicht besser an die Aktionäre ausgeschüttet?

Nein, wenn es attraktive Investitionsmöglichkeiten gibt, bin ich immer dafür, hier Geld in die Hand zu nehmen. Das gilt übrigens nicht nur für die USA. Auch in Deutschland gäbe es genügend Bedarf für Investitionen, beispielsweise in moderne Netze, die der Telekom einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen würden. Aber da sind dem Unternehmen zurzeit die Hände gebunden, einerseits durch den Sparzwang, andererseits durch das Bekenntnis zu attraktiven Dividendenzahlungen.

Erwarten Sie beim Thema Dividende einen Rückzieher?

Nein, dabei wird es bleiben. Die Telekom kann es sich nicht erlauben, den Markt zu enttäuschen. Die Aktie hat zwar positiv auf den Vorstandswechsel reagiert und die Investoren sind bestimmt bereit, gute Nachrichten zu honorieren. Aber die Skepsis gegenüber der gesamten Telekommunikations-Branche ist sehr hoch. Einen Vertrauensvorschuss bekommt Herr Obermann an der Börse nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%