Sechs Monate nach der Wahl
SAP und Betriebsrat - ein emotionales Thema

Beim Softwarekonzern SAP knirscht es auch gut sechs Monate nach der Wahl des ersten Betriebsrates in der täglichen Zusammenarbeit mit den Managern. Bei einem Streit über die Transparenz der Gehaltsstrukturen wurde den Arbeitnehmern-Vertretern per einstweiliger Verfügung eine Ordnungshaft angedroht.

MANNHEIM. Es sind alte Bekannte, die an diesem Dienstag in dem schmucklosen Mannheimer Bürogebäude mit der typischen 70er-Jahre-Architektur zusammenkommen. Im Frühsommer vergangenen Jahres standen sie schon mal hier, vor der Richterin Margarete Konrad vom Arbeitsgericht Mannheim. Damals ging es um die Wahl des ersten Betriebsrates bei SAP. Auch heute geht es um die Arbeitnehmervertreter, beim Softwarekonzern ein emotionales Thema.

Das wissen Eberhard Schick, Johannes Reich und Ralf Kronig, die drei Initiatoren der Betriebsratswahl.Und doch sehen sie keinen anderen Weg. Ihre Forderung: Das SAP-Management soll mehr Transparenz in die Gehaltsstrukturen bringen, die groben Gehaltsgruppen sollen allen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. „Bei SAP gibt es bedingt durch die starken Wachstumsphasen ein heterogenes Gehaltsgefüge. Deshalb ist etwas mehr Transparenz aus unserer Sicht geboten“, argumentiert Schick. Nur so könnten Mitarbeiter einer Willkür begegnen.

Doch die SAP-Sitze lehnt das Ansinnen kategorisch ab. Per einstweiliger Verfügung wollte ihr Anwalt den Betriebsräten untersagen, die Angaben zu den Gehaltsgruppen allen SAPlern zur Verfügung zu stellen. Und ahnte dabei längst, dass er heute wohl scheitern wird. Er soll Recht behalten. Richterin Konrad will von einer einstweiligen Verfügung nichts wissen, weist den Antrag zurück.

Der Streit zeigt: Auch gut sechs Monate nach der von heftigen Wortgefechten begleiteten Wahl des ersten Betriebsrates bei SAP klaffen noch Welten zwischen den neuen Arbeitnehmervertretern und der Unternehmensführung, suchen die Beteiligten noch den richtigen Modus für den Umgang miteinander.

Für Schick und seine Kollegen von der Liste „Pro Betriebsrat“ ist mehr Transparenz beim Thema Gehalt das normalste der Welt, muss sich die Geschäftsleitung endlich auf die geänderten Rahmenbedingungen einstellen. „Es geht nicht darum, die konkreten Gehälter publik zu machen. Es geht darum, ähnlich wie in tarifgebundenen Betrieben die groben Gehaltsstufen als eine Orientierung für die Mitarbeiter zugänglich zu machen“, sagt Schick und ergänzt: „Wir sehen absolut keine Probleme in punkto Preisgabe von Wettbewerbsgeheimnissen. Es sollen ja nur die groben Gehaltsstufen dargelegt werden. Damit können die Konkurrenten nichts anfangen.“

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