Selbstbewusste Kunden
SAP-Anwender wollen stärker mitreden

Die in der DSAG zusammengeschlossenen deutschen Anwender der SAP-Software wollen stärker bei strategischen Entscheidungen des Software-Konzerns mitreden. Auf der Jahrestagung der Organisation in Bremen wurde deshalb am Dienstag ein CIO-Beirat ins Leben gerufen, in dem sieben IT-Chefs deutscher Unternehmen - sogenannte CIOs - sitzen.

FRANKFURT. „Wir wollen die Zusammenarbeit mit SAP bei strategischen Fragen noch mehr stützen und ausbauen“, sagte Karl Liebstückel, der Vorstandsvorsitzende der DSAG, dem Handelsblatt.

Das neue Gremium ist ein wichtiges Signal an den weltgrößten Hersteller von Firmen-Software (Fachbegriff ERP). Die Kunden beobachten ihre IT-Lieferanten zunehmend kritisch, weil die Konsolidierung in der Software-Industrie rollt. Zudem hat SAP-Vorstandschef Leo Apotheker mitten in der Krise mehrfach das Margenziel von 30 Prozent und mehr bekräftigt. Angesichts dessen haben die Unternehmen Sorge, dass SAP ihre Bedürfnisse aus den Augen verlieren könnte, und fordern klare Zusagen. Dies betreffe unter anderem die Frage, wie es mit dem Kernprogramm (ERP) weitergehe, so Liebstückel.

Ganz ähnlich ist die Situation im Mittelstand. SAP ist hier zwar bereits gut vertreten, vor allem im gehobenen Mittelstand. Aber mit der ausschließlich über das Internet nutzbaren Software (SaaS-Software) „Business By Design“ wollte SAP zahlreiche neue Kunden bei kleineren Firmen gewinnen. Weil SAP nach massiven Problemen vieles komplett neu entwickeln musste, wurde der Marktstart von BBD allerdings mehrfach verschoben, was die Kunden irritiert. Nach Angaben von Vorstandschef Apotheker soll es nun im ersten Quartal kommenden Jahres richtig losgehen. „Für uns ist wichtig, dass SAP an dem SaaS-Modell festhält“, sagte Liebstückel.

SAP sieht sich seit gut zwei Jahren zunehmend selbstbewussteren Kunden gegenüber. Auslöser war die Ankündigung, die Wartungspreise deutlich zu erhöhen. Vor allem mittelständische Kunden gingen auf die Barrikaden. Sie können den von SAP als Begründung für höhere Preise genannten Mehrwert des teureren „Supports“ nichterkennen.

Zwar ist SAP den Unternehmen mittlerweile entgegengekommen, hat zum Beispiel bestimmte Fristen verlängert sowie die Preissteigerung an andere Indikatoren gekoppelt. Aber zufrieden ist die DSAG noch nicht. „Wir haben hier im Vergleich zum letzten Jahr große Fortschritte gemacht. Aber die Gespräche laufen weiter. Wir brauchen eine bedarfsgerechte Wartung“, sagte Liebstückel.

Wie selbstbewusst die Kunden mittlerweile sind, zeigt das Beispiel Siemens. Der Elektronikriese hat angeblich damit gedroht, die Wartung der SAP-Systeme an einen Drittanbieter zu geben. Mit Erfolg: Nach Angaben von SAP-Deutschland-Chef Volker Merk ist der Hersteller mit Siemens in Verhandlungen über neue Wartungsmodelle, die unter dem Strich günstiger für Siemens sein werden.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%