Serie Neue Netzträume: Der Trend zu Individualtrips stärkt den Online-Vertrieb
Teil 2: Internet hilft bei Reisefieber

Ein Internetexperte auf dem Chefsessel eines führenden Touristikkonzerns? Mit der Verpflichtung des früheren T-Online-Chefs Thomas Holtrop hat Europas zweitgrößter Urlaubsmacher Thomas Cook (u.a. Neckermann, Condor) die Reisebranche zunächst überrascht.

FRANKFURT/M. Auf den zweiten Blick aber wird deutlich: Holtrop hat sich nicht in eine fremde Welt verirrt. Seine Bestellung gilt als Beleg dafür, wie dynamisch sich die Reiseindustrie in Richtung Internet entwickelt.

Es hat viele Luftblasen gegeben im Internet-Hype der späten 90er-Jahre: Der Online-Verkauf von Tierfutter etwa. Oder die Vision, Millionen von Konsumenten könnten sich ihre Kühlschränke bald via Mausklick auffüllen lassen. Flug-, Hotel und Mietwagenbuchungen indes werden tatsächlich zunehmend im Internet abgewickelt: Die Online-Reiseindustrie avanciert zur größten Konsumsparte im Netz.

In Europa haben Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet die Entwicklung eingeleitet: Sie umgehen seit Jahren den klassischen Vertriebsweg über Reisebüros, schicken den Kunden statt dessen auf ihre Website und sparen sich auf diese Weise teure Vermittlungsprovisionen. Ihre einfach aufgebauten Portale hätten bei der Kundschaft zudem die Scheu abgebaut, auch andere Reisen über das Web zu buchen, sagt Dominik Rossmann vom Marktforscher Ulysses Web-Tourismus.

Zwar gilt Europa im Vergleich zu den USA noch als „virtuell unterentwickelt“, wie es das Touristik-Fachmagazin „FVW“ beschreibt. Doch auch hier ermitteln Marktforscher zweistellige Wachstumsraten. Laut dem US-Institut Phocus Wright ist des Umsatz mit Online-Reisen im Vorjahr um 62 Prozent auf 19,2 Mrd. Euro gestiegen. In den USA waren es 2004 fast 54 Mrd. Dollar.

Zwar wird der größte Teil der Urlaubsreisen bis heute über Reisebüros abgewickelt. Doch die Steigerungen im Internet sind derart prächtig, dass einige Touristiker bereits das schleichende Ende der guten alten Pauschalreise an die Wand malen. „Die klassische Pauschalreise gibt es im Grunde schon jetzt nicht mehr. Viele Unternehmen haben sie längst zu einer Reise mit Individualcharakter weiterentwickelt“, sagt Anne Rösener, Deutschland-Chefin des US-Reisevertriebskonzerns Sabre. So mühen sich Charter-Airlines um tägliche Abflugmöglichkeiten, auch Hotels lassen sich flexibler buchen. Der Trend zu Individualreisen stärkt wiederum die Fraktion der Online-Anbieter.

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