Sexismus-Debatte in der Technologiebranche
„Aggressive Frauen gelten als Zicken“

Frauen sind im Silicon Valley in der Minderheit. Das will Alaina Percival will mit ihrer Initiative „Women who code“ ändern. Die 34-Jährige fordert ein Umdenken der Chefs – und kritisiert die Situation in Deutschland.
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San FranciscoEin großräumiges Industrie-Loft in San Franciscos Start-up-Bezirk South of Market. Rechts zischt die Kaffeemaschine, links stehen auf einem massiven Holztisch mehrere Laptops. Anders als in vielen Bürogemeinschaften im Technik-Mekka an der Westküste ist die Mehrheit der Besucher vor den Bildschirmen weiblich. Alaina Percival eilt auf flachen Sohlen und im schicken Blazer die Treppe hinunter. Die 34-jährige Chefin des Netzwerks „Women Who Code“ hat nur wenig Zeit. Sie hält später im Hauptquartier von Google einen Vortrag darüber, wie der Silicon-Valley-Riese mehr Frauen für sich begeistern kann.

Die Computerbranche wird von Männern dominiert. Woran liegt das?
Es gibt schlicht nicht genügend Programmiererinnen. Immer noch entscheiden sich zu wenige junge Frauen für ein Studium der Computerwissenschaften. Den Mädchen wird oft schon in der Schule gesagt, Technologie sei nichts für sie.

Eltern und Lehrer tragen demnach Mitschuld an der Misere?

Ja, ihr Einfluss ist entscheidend! Leider prägen immer noch Stereotype die Erziehung, wie zum Beispiel, dass Mädchen besser in den Sprachen seien und Jungen eher Mathematik liege. Bei mir war es umgekehrt. Ich konnte immer besser rechnen als schreiben. Trotzdem haben meine Eltern auch mich dazu ermuntert, eine Sprache zu studieren. Ich habe das Programmieren erst mit Anfang Dreißig gelernt.

Frauen starten oft mit besseren Noten von der Universität ins Berufsleben als ihre männlichen Kommilitonen. Warum schaffen sie es nicht bis an die Spitze von Unternehmen?
In der Mitte ihrer Karriere, mit Anfang oder Mitte 30, merken Frauen, dass sie irgendwie nicht weiterkommen. Sie verdienen trotz gleicher Leistung weniger als die Männer und werden von ihren Chefs weniger oft befördert.

Wieso wehren sich die Frauen nicht?
Die aktuelle Debatte um die Vorfälle bei Kleiner Perkins zeigt, wie schwer es ist, Fälle von Sexismus zu belegen. Eine offene Beleidigung lässt sich einfach sanktionieren. Häufig aber sind geschlechtsspezifische Diskriminierungen viel subtiler. Wie will man einem Chef nachweisen, dass er eine weibliche Mitarbeiterin absichtlich ausgrenzt, weil er „vergessen“ hat, sie zu einem belanglosen Firmen-Event einzuladen – wie er sagt? Und was entgegnet eine Mitarbeiterin ihrem Chef, der einen männlichen Kollegen mit dem Hinweis befördert, der Kandidat sei erfolgsversprechender als sie?

Vielleicht sind Frauen für die große Karriere einfach nicht hart genug?
Frauen sind ebenso belastbar und können harte Entscheidungen so gut treffen wie ein Mann. Sie tun es nur weniger oft.

Fehlt ihnen also doch die Courage?
Nein, aber die Gesellschaft bestraft sie dennoch dafür. Dominantes Verhalten wird bei Frauen gesellschaftlich nicht akzeptiert. Aggressive Frauen gelten als Zicke, angriffslustige Männer dagegen als harter Hund. Frauen, die über ihre eigenen Leistungen sprechen und sich selbst promoten, werden geächtet. Das muss sich dringend ändern.

Heißt das nun, eine Frau muss sich einfach nur wie ein Mann verhalten, um erfolgreich zu sein?
Nein! Es kann nicht darum gehen, dass am Ende die Person mit dem größten Ego und der dicksten Haut die Führung in einer Firma übernimmt. Der Chefsessel erfordert starke Nerven. Aber die Mitarbeiter, die am lautesten schreien, sind nicht unbedingt auch die geeignetsten dafür.

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„Flexible Arbeitszeiten helfen Frauen“

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  • Vollkommen überflüssiger Artikel. Und was weiss schon die Ami-Zicke über Deutschland! Hier regiert MUTTI! Damit ist alles gesagt!

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