Sexismus im Silicon Valley
„Frauen, entwickelt Killer-Instinkt!”

Microsoft-Chef Nadella empörte mit seiner Bemerkung, Frauen sollten bei Gehaltserhöhungen auf „ihr Karma“ vertrauen. Lore Harp McGovern, eine der einflussreichsten Frauen im Silicon Valley, fordert das Gegenteil.
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San FranciscoHors d'Oeuvres, Tarte mit Broccoli und zum Nachtisch Erdbeeren mit echter Sahne: Wenn Lore Harp McGovern sonntags zum Brunch in den Garten ihres Hauses in Hillsborough lädt, kommen stets handverlesene Gäste. Investoren aus Silicon Valley, Inhaber einschlägiger Kanzleien und Professoren vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge diskutieren bei Verméil Demi-Sec die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik. Der Blick von der breiten Terrasse mit den hellen Sonnenschirmen reicht weit über San Francisco hinaus. Still ist es hier oben am Hügel, einem der reichsten Distrikte des Landes, und der Himmel fast immer blau.

Allein Small Talk ist ihre Sache nicht. Die 70-Jährige, sie stammt gebürtig aus Bottrop, hat sich die westfälische Direktheit in Kalifornien bewahrt, wo alle Menschen diese extra-freundliche Benutzeroberfläche haben. Die Sonnenbrille im Pagenkopf, die Augen fest auf das Gegenüber gerichtet, begrüßt sie Neuankömmlinge. Ihre Stimme klingt amüsiert. „Ja, wir sind uns vorgestellt worden – aber eigentlich kennen wir uns doch gar nicht.” Den Respekt der Grande Dame vom Silicon Valley, die mehrere Technologie-Firmen gründete, wie Steve Jobs an den ersten Rechnern schraubte und regelmäßig mit Bill Gates Kaffee trinkt, den muss man sich erst einmal erarbeiten.

Erst in der vergangenen Woche hatte Microsoft-Chef Satya Nadella mit einer Bemerkung dafür gesorgt, dass die Debatte um Frauen im Technologie-Bereich an Fahrt aufgenommen hat. Nadella wurde auf einer Konferenz gefragt, wie Frauen im Technologiesektor weiterkommen können. „Es geht nicht wirklich darum, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen“, sagte er. „Aber man muss wissen und Vertrauen haben, dass das System einen im Laufe der Zeit mit der richtigen Gehaltserhöhung versorgt.“

Wenn Microsoft-Chef Satya Nadella Frauen dazu rät, bei ihrer Karriere auf „gutes Karma” zu vertrauen, beweist Lore Harp McGovern das Gegenteil. Sie forderte Anerkennung stets ein, aber sie arbeitete auch härter als alle anderen. Sie wollte nie etwas geschenkt - nicht, als sie vor fünfzig Jahren ganz allein und ohne Ausbildung in San Francisco aus dem Flugzeug stieg. Und auch nicht, als sie Vector Graphic, eine der ersten Computer-Firmen überhaupt, an die Börse brachte.

Zeitgleich schloss sie das Studium in Finanzwesen ab, mit zwei Kindern daheim. „Wenn ich heute daran denke, kann ich das gar nicht mehr glauben. Ich war wohl Super Woman.” Die Unternehmerin verdreht ironisch die Augen, dann wirft sie den Kopf in den Nacken und lacht. Wenn sie will, ist Lore Harp McGovern eine ziemlich herzliche Frau.

Für die aktuelle Debatte über Sexismus in Silicon Valley zeigt sie wenig Verständnis. „Wissen Sie was? Als ich damals anfing, gab es so gut wie keine Frauen in der IT!“ Für die engagierte Deutsche spielte das aber nie eine Rolle. Das „ewige Gemecker” ihrer Geschlechtsgenossinnen gehe ihr auf die Nerven. „Wer sich von einem Mann einschüchtern lässt, ist selber schuld. Frauen, entwickelt Killer-Instinkt!” Es sei ja nicht so, als sei ihr nie ein Mann komisch gekommen. Sie habe diese Männer nur einfach „kalt gestellt”.

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Die Frau aus dem Ruhrpott machte selten Kompromisse

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