„Shareconomy“
Ein nicht ganz ungefährlicher Trend

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Die Folgen sind dramatisch

Es klingt heutzutage schon mehr als banal, wenn hervorgehoben wird, dass wir in einer Zeit des schnellen und fundamentalen Wandels leben. Nicht erst seit der massenkonformen Etablierung des Internets, des Zerbrechens (eigentlich) etablierter Wirtschaftsparadigmen und scheinbar unbeherrschbarer Dynamik, stehen herkömmliche Gesellschafts-, Produktions- und Managementsysteme vor einer Zerreißprobe. Interessant an dieser Stelle ist, wie sich der Wandel in unterschiedlichen Bereichen und Systemelementen vollzieht – und wahrgenommen wird. Während die Einführung von Social-Business-Strategien in Unternehmen bisweilen mit Argwohn und Ablehnung durch die Mitarbeiter begleitet werden, äußern sich die gleichen Mitarbeiter positiv über Modelle und Geschäftskonzepte wie Carsharing (kommerziell), Rent-a-Bike, Nachbarschaftsauto (privat), die sie im privaten Umfeld konsumieren.

Im Business-to-Business-Umfeld sind leistungs- und nutzungsabhängige Geschäftsmodelle, die einen Wandel vom Eigentum zum Besitz forcieren, in einigen Bereichen bereits seit Jahren etabliert. Sei es die Metallpresse in der Autoproduktion (Pay-per-Part) oder der Kopierer im Büro. Diese Entwicklung hat, im Gegensatz zur (internationalen) Arbeitsteilung und Spezialisierung im Entwicklungs- und Produktionsprozess (kurzum in der Produktionstiefe), nicht zu größeren Nachteilen geführt.

Wird dieses Modell „flächendeckend“ über Konsumenten ausgerollt - und von diesen aufgegriffen - kommt es mittel- bis langfristig zu Schieflagen. Zwar führen solche Modelle kurzfristig zu einem (Wirtschafts-) Wachstum, da mehr Menschen mehr konsumieren können und dabei auch noch durchschnittlich höhere Preise (pro Vergleichseinheit) bezahlen. Jedoch führt der kollaborative Konsum für viele Wirtschaftssubjekte zur Abhängigkeit und zur sozialen Diskriminierung.

Mit anderen Worten: Werden sich die Modelle der Shared Economy – die Ansätze des kollaborativen Verbrauchs – in unserer Gesellschaft auf breiter Front durchsetzen, so entstehen neben Chancen auch extreme Risiken. Wenn sich eine Eigentumsgesellschaft mit monetären Wertausgleichssystemen in eine Besitzgesellschaft mit monetären Wertausgleichssystemen wandelt, gibt es auf Seiten der Anbieter und Nachfrager einige Gewinner und Verlierer. Langfristig kann eine solche Entwicklung in zentralisierte Besitzgesellschaften führen.

Axel Oppermann ist freier Autor und IT-Analyst aus Kassel.

 

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