„Shareconomy“
Ein nicht ganz ungefährlicher Trend

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Eine neue Gesellschaft entsteht

Greifen wir den Gedanken und den Erzählstrang über die Auswirkungen einer Shareconomy auf nationaler Ebene nochmals auf: Der Begriff soll ein verändertes gesellschaftliches Verständnisses vom Haben zum Teilen – respektive der gemeinsamen Nutzung – ausdrücken. Gemeint ist jedoch keine Kultur des Kostenlosen. In anderen Worten: In einer "Sharing Economy" ist nicht alles kostenlos. So sind einige Peer-to-Peer-Marktplätze transaktionsbasiert, andere rufen zu finanziellen Gegenleistungen auf. Und Dritte sind „free of charge“. Darüber hinaus können die Ausläufer der Share Economy auch zu Lasten von Qualität (Journalismus, oder Wikipedia vs. Encyclopaedia Britannica) und Verfügbarkeit führen.

Wird unterstellt, dass die Nachfrage nach Services und Produkten, die über kollaborativen Verbrauch, Pay-per-use oder sonstige Nutzungsmodelle abgerechnet werden, weiterhin steigt, die Umsätze und Erträge pro Kunde (und insgesamt) gemessen an neuen und relevanten Key Performance Indikatoren (KPIs) steigen und der Staat für den Bürger (und den Staat selbst) annehmbare Rahmenparameter schafft, werden immer mehr Unternehmen entsprechende Modelle entwickeln (müssen). Dies führt wiederum zu steigender Nachfrage. Im Umkehrschluss führt es jedoch auch dazu, dass Berufsbilder verschwinden, Unternehmen die die Transformation nicht bewältigen, untergehen und in vielen Bereichen monopolistische oder oligopolistische Strukturen entstehen oder diese Strukturen gefördert werden.

Es ist davon auszugehen, dass es in einer Gesellschaft, deren überwiegender Anteil an wirtschaftlichen Transaktionen (und deren Denkmuster) auf kollaborativem Verbrauch, Pay-per-use oder sonstigen Nutzungsmodellen beruhen, zu einer Verarmung breiter Schichten kommen wird. Insbesondere dann, wenn exogene Faktoren den Austauschprozess stören. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Menschen sich in ihrem Handeln von bestimmten Zielen leiten lassen und versuchen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Dieses Verhaltensmuster führt zu übermäßigem Konsum, welcher zu einem Verlust des „Besitzes“ bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenparameter führt  Der Verlust von Besitz (ohne Kompensation) bei geringen Eigentums-Quoten führt zu Armut. In anderen Worten: Durch die Wahrnehmung von unmittelbaren Interessen im Rahmen von Shareconomy-Welten vermögen die Menschen regelmäßig nicht, die Ergebnisse ihres Handels (auch im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext) vorauszusehen. Dies führt in einem fragilen System der Shareconomy, wo in der finalen Ausprägung wenige Anbieter vielen Nachfragern entgegenstehen, zur Enteignung der Massen.

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