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Sharp & Co: Die erschöpften Helden

Nokia, Kodak und der Blackberry-Hersteller Rim: Vorreiter einer Technologie zu sein, ist kein dauerhafter Erfolgsgarant. Jetzt steckt der LCD- und Solar-Pionier Sharp in einer tiefen Krise. Die Gründe für den Niedergang.

Sharp-Manager Takashi Okuda Anfang November auf einer Pressekonferenz. Quelle: dpa
Sharp-Manager Takashi Okuda Anfang November auf einer Pressekonferenz. Quelle: dpa

TokioEs sind Strohhalme, an die sich einstige Technologie-Pioniere derzeit klammern. Rim, mit seinen Blackberry-Smartphones einst Weltmarktführer, setzt auf neue Geräte mit modernerer Bedienung. Handy-Pionier Nokia baut auf das Windows-Betriebssystem, um Geräte schmackhaft zu machen und baut das bisherige Nischengeschäft mit Kartendaten aus. Bei Sharp, Vorreiter in der LCD-Fernsehtechnologie, legte die Aktie heute einen Kurssprung um 7,2 Prozent hin. Medienberichten zufolge haben die US-Konkurrenten Intel und Qualcomm Interesse an einem Einstieg bei dem japanischen Großkonzern. Das Geschäft könnte ein Volumen von bis zu 400 Millionen Dollar haben.

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Eine solche Kapitalspritze hätte Sharp bitter nötig. Denn das hundertste Jahr des eigenen Bestehens ist zugleich das schwierigste. Die Verluste sind riesig und Lösungen, um aus der Misere zu kommen, kaum in Sicht. Das Beispiel Sharp zeigt eindrücklich, welche Folgen das Verschlafen von Trends haben kann – selbst wenn man diese Trends einst gesetzt hatte.

Die Rückkehrer So gelingt der Turn-around

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Im Jahr 1999 hatte Sharp mit dem ersten Flachbildfernseher eine TV-Revolution ausgelöst, die Ratingagentur Fitch hält die Anleihen des Unternehmen mittlerweile nur noch für „Schrott“. Der Konzern hatte kurz zuvor in seiner Halbjahresbilanz selbst anerkannt, dass es die Märkte „erhebliche Zweifel“ an seiner Überlebensfähigkeit hegten.

Der Niedergang von Research in Motion

  • Ein Schatten seiner selbst

    Vier Jahre sind eine Ewigkeit in der schnelllebigen Welt der Kommunikation. Im April 2008 bewegte sich der Blackberry-Hersteller auf einer scheinbar unaufhaltbaren Erfolgswelle. Im Bereich Innovation gebe man sich bei RIM "nur mit dem Besten zufrieden", verkündete der damalige RIM-Chef Mike Lazaridis.

  • Wichtige Trends verschlafen

    Doch vier Jahre später muss der jetzige Konzernchef Thorsten Heins gestehen: "Ich bin der Erste, der zugibt, dass RIM wichtige Trends in der Smartphone-Industrie verpasst hat." RIM hat den Trend zu berührungsempfindlichen Bildschirmen verpasst. Außerdem vernachlässigte RIM die zentrale Rolle des Internets auch für Smartphones.

  • Die Gründer

    RIM ist Kanadas bekanntestes Unternehmen. Erfolgsgarant war fast 20 Jahre lang das Duo Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Unter ihrer Führung war RIM von einer kleinen Technologiefirma zu einem globalen Akteur aufgestiegen. Der in Istanbul als Sohn griechischer Eltern geborene Mike Lazaridis war der Technikfreak, der 1984 mit seinem Studienkollegen Douglas Fregin RIM als ein Dienstleistungsunternehmen gegründet hatte, das sich auf die drahtlose Datenübermittlung konzentrierte.

  • Wie es zum Namen „Schwarzbeere“ kam

    1992 schloss sich Jim Balsillie, der in Toronto und Harvard Wirtschaft und "Business Administration" studiert hatte, RIM an. Er steckte 250 000 Dollar in das Unternehmen, das 1997 an die Börse ging und ein Jahr später die erste "Schwarzbeere" (Blackberry) als Handcomputer auf den Markt brachte.

  • Die Innovation

    Um E-Mails zu empfangen, musste man nicht mehr am Computer sitzen oder seinen Laptop hochfahren. E-Mails werden mit einer Push-Technologie auf den Blackberry weitergeleitet. 2004 war ein "Markstein", als die Zahl der Kunden eine Million erreichte. 2008 waren es bereits 14 Millionen, heute sind es 78 Millionen Abonnenten.

  • Mythos verflogen

    Der Blackberry war Kult. Aber dieser Mythos ist verflogen. Anfang des Jahres mussten Lazaridis und Balsillie ihre Posten räumen. Der frühere Siemens-Manager Thorsten Heins übernahm - und ist seitdem vor allem der Überbringer schlechter Nachrichten. Zuletzt meldete der Konzern einen Quartalsverlust von 518 Millionen Dollar.

  • Verzögerte Wende

    Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Aktie - einst 150 Dollar wert - liegt derzeit bei sieben Dollar. Rund 5000 der weltweit etwa 16.000 Mitarbeiter müssen gehen. Und noch schockierender für die Investoren: Das Betriebssystem Blackberry 10, mit dem die Wende gelingen sollte, wird nicht im Herbst, sondern erst Anfang 2013 auf den Markt kommen. Der Grund: technische Probleme.

In der ersten Hälfte seines bis Ende März 2013 laufenden Bilanzjahres brach der Umsatz um 16 Prozent auf rund elf Milliarden Euro ein. Der Verlust schwoll auf 3,6 Milliarden Euro an. Sogar die Verlustprognose erhöhte der Konzern zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate auf jetzt 4,5 Milliarden Euro. Damit würde das Unternehmen den bisherigen Minusrekord aus dem Vorjahr pulverisieren. Und in Japan stellen sich die Menschen die Frage, wie der einstige Weltmarktführer bei Solarzellen und der Pionier der Flachfernseher nur so tief stürzen konnte.

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Die in Stahl, Beton und Produktionsrobotern verkörperte Antwort steht in den idyllischen Hügeln der japanischen Kleinstadt Kameyama: die erste integrierte LCD-TV-Produktion der Welt. Mit dem riesigen Werk wollte Sharp seine Weltmarktführerschaft zementieren. Stattdessen mutierte es zum Symbol von Sharps Niedergang – und ironischerweise nun zum rettenden Strohhalm, an den sich das Management im Jubiläumsjahr klammert. Doch der Reihe nach.

  • 14.11.2012, 21:22 Uhrhgkjhg

    Wirklich neues bringt dieser Artikel nicht: keine Analyse keine These woran es gelegen hat ... es einfach nur auf das "unfähige Management" oder "Erfolg macht träge" zu schieben ist zu einfach. Hier wurde zu wenig recherchiert. Der Leser/Anleger/Manager/Mitarbeiter wäre interessiert zu erfahren, wie sich solche Situationen bei Unternehmen frühzeitig erkennen (und ggf abwenden lassen). Es gibt hierzu bereits ein schlüssige Theorie, warum sich dieser Absturz von erfolgreichen Spitzenreitern so regelmässig wiederholt: Disruptive Innovation. Dem Interessierten Leser empfehle ich zur Lektüre die Publikationen vonProf Christensen (Harvard Businss School).

  • 14.11.2012, 18:31 UhrBlinse

    Wir haben einen LCD TV von Sharp, einen LC-46LE830E. Knapp 1000 Euro bezahlt, viel drin an Elektronik ist in dieser Kiste nicht mehr, wiegt ja auch nix und der Kasten ist......TOP! Man muß schon lange suchen, um ein ebenso neutrales Bild bei den Konkurrenten zu finden.

    Mir ist nicht klar, warum die an so einem Teil nichts verdienen.

  • 14.11.2012, 18:18 UhrBernankeDraghi-Put

    Der Bericht kommt bestimmt noch später im Handelsblatt. Damit nicht nur Harzer wie sie, berwanger, ihren Stuss hier wieder hin kritzeln können.

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