Sharp & Co: Die erschöpften Helden

Sharp & Co
Die erschöpften Helden

Nokia, Kodak und der Blackberry-Hersteller Rim: Vorreiter einer Technologie zu sein, ist kein dauerhafter Erfolgsgarant. Jetzt steckt der LCD- und Solar-Pionier Sharp in einer tiefen Krise. Die Gründe für den Niedergang.

TokioEs sind Strohhalme, an die sich einstige Technologie-Pioniere derzeit klammern. Rim, mit seinen Blackberry-Smartphones einst Weltmarktführer, setzt auf neue Geräte mit modernerer Bedienung. Handy-Pionier Nokia baut auf das Windows-Betriebssystem, um Geräte schmackhaft zu machen und baut das bisherige Nischengeschäft mit Kartendaten aus. Bei Sharp, Vorreiter in der LCD-Fernsehtechnologie, legte die Aktie heute einen Kurssprung um 7,2 Prozent hin. Medienberichten zufolge haben die US-Konkurrenten Intel und Qualcomm Interesse an einem Einstieg bei dem japanischen Großkonzern. Das Geschäft könnte ein Volumen von bis zu 400 Millionen Dollar haben.

Eine solche Kapitalspritze hätte Sharp bitter nötig. Denn das hundertste Jahr des eigenen Bestehens ist zugleich das schwierigste. Die Verluste sind riesig und Lösungen, um aus der Misere zu kommen, kaum in Sicht. Das Beispiel Sharp zeigt eindrücklich, welche Folgen das Verschlafen von Trends haben kann – selbst wenn man diese Trends einst gesetzt hatte.

Im Jahr 1999 hatte Sharp mit dem ersten Flachbildfernseher eine TV-Revolution ausgelöst, die Ratingagentur Fitch hält die Anleihen des Unternehmen mittlerweile nur noch für „Schrott“. Der Konzern hatte kurz zuvor in seiner Halbjahresbilanz selbst anerkannt, dass es die Märkte „erhebliche Zweifel“ an seiner Überlebensfähigkeit hegten.

In der ersten Hälfte seines bis Ende März 2013 laufenden Bilanzjahres brach der Umsatz um 16 Prozent auf rund elf Milliarden Euro ein. Der Verlust schwoll auf 3,6 Milliarden Euro an. Sogar die Verlustprognose erhöhte der Konzern zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate auf jetzt 4,5 Milliarden Euro. Damit würde das Unternehmen den bisherigen Minusrekord aus dem Vorjahr pulverisieren. Und in Japan stellen sich die Menschen die Frage, wie der einstige Weltmarktführer bei Solarzellen und der Pionier der Flachfernseher nur so tief stürzen konnte.

Die in Stahl, Beton und Produktionsrobotern verkörperte Antwort steht in den idyllischen Hügeln der japanischen Kleinstadt Kameyama: die erste integrierte LCD-TV-Produktion der Welt. Mit dem riesigen Werk wollte Sharp seine Weltmarktführerschaft zementieren. Stattdessen mutierte es zum Symbol von Sharps Niedergang – und ironischerweise nun zum rettenden Strohhalm, an den sich das Management im Jubiläumsjahr klammert. Doch der Reihe nach.

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