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11.04.2008 

Szenario III: Yahoo rettet sich in Arme von AOL

Die Flucht von Yahoo-Chef Jerry Yang in die Arme von Time Warner und der Internet-Tochter AOL ist ein technischer Trick. Denn Time Warner würde in die Ehe Bargeld bringen. Und damit könnte Yahoo eigene Aktien kaufen. Da das Angebot von Microsoft teilweise aber an den Aktienkurs gekoppelt ist, würde das Geschäft für den Software-Konzern teurer – vielleicht so teuer, dass er aufgibt. Aus Sicht von Time Warner könnte dies die letzte Gelegenheit sein, das ungeliebte Kind AOL loszuwerden. Die Fusion des Medienhauses mit dem Online-Zugangsanbieter war die Megafusion der New-Economy-Zeit. Doch die beiden ungleichen Partner zerfleischten sich – am Ende siegte Time Warner. Nun könnten die New Yorker geneigt sein, alles zu tun, um sich von AOL zu befreien.

Die Logik hinter dem Zusammenschluss mit Yahoo beruht allein auf der Werbearithmetik des Internets: Je mehr Orte es für genau gezielte Werbung gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer auch tatsächlich auf diese Anzeigen klicken.

Im Bereich der Anzeigen neben Suchmaschinen scheint der Rückstand zu Google aber kaum aufholbar. „AOhoo“ hätte es im Februar laut der Marktforscher von Comscore auf einen Marktanteil von 26,5 Prozent gebracht, Google auf 59,2 Prozent.

Besser sähe es in Sachen E-Mail-Dienste aus: Yahoo kam Ende 2007 auf über 260 Mill. Nutzer, AOL auf rund 50 Mill. Diese Dominanz ließe sich gut in Reichweite für die dann kombinierten Werbeplattformen nutzen. Nur Microsoft mit rund 256 Millionen Kunden seines Dienstes Hotmail kann da noch mithalten.

Eher dürftig sieht es im boomenden Markt der Social Networks aus. AOL kündigte im März an, für 850 Mill. Dollar den europäischen Marktführer zu übernehmen. Allein: Diese Position verdankt Bebo (35 Mill. Nutzer) allein seiner extremen Stärke in Großbritannien. Yahoo dagegen bekam in diesem Markt nie ein Bein auf den Boden.

Yahoo und AOL – das erscheint vielen Kennern als eine Paniklösung. „Es wird davon abhängen, wer das Management übernimmt und eine Strategie vorlegt. Die beiden unterschiedlichen Kulturen und zwei verfehlte alte Strategien zusammenzuhämmern ist eine undankbare Aufgabe“, sagt Medienberater Jeff Jarvis.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Das unwahrscheinlichste Szenario

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