Sieben Fragen an: Dieter Kosslick
„Die Berlinale wird zum Marktplatz“

Dieter Kosslick, Leiter der Berlinale, über die wirtschaftlichen Aspekte des Filmfestivals.

In der Vergangenheit war die Berlinale ökonomisch ein Nebenschauplatz, nun hat sich das geändert, warum?

Viele Jahre fand der American Film Market in Los Angeles nahezu zeitgleich mit unserem European Filmmarket in Berlin statt. Die Aussteller sind in der zweiten Woche nach Los Angeles abgereist. Wir hatten dann ein Potemkin’sches Dorf in Berlin. Die Amerikaner haben nun ihren Termin auf den Herbst verlegt. Damit ist die Berlinale im Frühjahr konkurrenzlos.

Was wird auf der Berlinale gekauft und verkauft?

Der europäische Filmmarkt bei der Berlinale war bisher der Marktplatz für qualitativ anspruchsvolle Filme und Kinderfilme.

Verlassen Sie nun diese Nische?

Ja. Heute wird in Berlin alles verkauft und gekauft.

Auch angestaubte Filmware?

Im Gegenteil, wir haben jede Menge neue Ware aus 43 Länden. Von den über 600 Filmen sind über 400 Marktpremieren. Das heißt, die Rechte für das Kino, Fernsehen oder DVD werden erstmals auf dem internationalen Markt angeboten.

Wie lohnenswert ist die Berlinale für Produzenten und Rechtehändler?

Beispielsweise sagte mir eine französische Weltvertriebsfirma nach der letzten Berlinale, sie hätten 500 Deals gemacht. So viele wie noch nie in der Geschichte ihrer Firma.

Was ist Ihr persönliches Ziel?

Wir wollen die Berlinale zu einem internationalen Marktplatz für die Filmindustrie machen.

Schadet die Kinokrise der Berlinale?

Ein Jahr über eine Krise zu reden ist schlechtes Marketing. Im Winter werden nun mal mehr Taschentücher verkauft als im Sommer. Wieso sollte das in der Kinobranche anders sein? Ich halte es für eine schlechte Idee, in jedem Sommer laut zu lamentieren. Es gibt keine strukturelle Krise, sondern eine strukturelle Veränderung.

Das Gespräch führte Hans-Peter Siebenhaar.

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