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16.05.2008 
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Alcoa-Chef

Siemens-Affäre holt Klaus Kleinfeld ein

von Axel Höpner und Matthias Eberle

Im Siemens-Schmiergeldskandal droht neben dem langjährigen Chef Heinrich von Pierer auch dem heutigen Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld und zahlreichen weiteren früheren Siemens-Vorständen ein Bußgeld. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den gesamten ehemaligen Siemens-Zentralvorstand. Das Verfahren dürfte auch in den USA für Aufsehen sorgen.

Nun ist auch der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende und Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Foto: dpaLupe

Nun ist auch der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende und Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Foto: dpa

MÜNCHEN/NEW YORK. Das Ordnungswidrigkeitenverfahren der Münchener Staatsanwaltschaft richte sich nicht gegen Pierer oder andere einzelne Betroffene, sondern gegen den früheren Vorstand als Ganzes, erfuhr das Handelsblatt am Donnerstag aus Branchenkreisen.

Brisant ist das vor allem, weil Kleinfeld erst vor einer Woche in den USA Vorstandschef geworden ist. Die dortigen Behörden beobachten den Siemens-Fall schon jetzt mit Argusaugen. Kleinfeld ist an die Spitze des führenden US-Aluminiumproduzenten Alcoa gerückt, bei dem er seit Spätsommer 2007 das operative Geschäft verantwortete und als Kronprinz von Alcoa-Chef Alain Belda galt. Kleinfeld ist heute der einzige Deutsche auf dem Chefsessel eines renommierten Großkonzerns in Nordamerika.

Aus dem Umfeld der Beteiligten in München hieß es, es werde rund einem Dutzend ehemaligen Siemens-Vorständen eine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht vorgeworfen. Kleinfeld und den anderen Betroffenen aus dem ehemaligen Zentralvorstand droht nach derzeitigem Stand zwar kein Strafverfahren, die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Vorstand als Gesamtorgan aber eine Verletzung seiner Aufsichtspflicht vor.

Hier sind theoretisch Bußgelder bis zu einer Million Euro möglich. Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche namentlich lediglich Pierer genannt und betont, es gebe weitere Betroffene. Auch gestern wollte sich Oberstaatsanwalt Anton Winkler zu weiteren Namen nicht äußern. Allerdings wurde dem Handelsblatt von mehreren Seiten bestätigt, dass auch Kleinfeld auf der Liste stehe. Die Information sei wohl gezielt zum jetzigen Zeitpunkt gestreut worden, da Kleinfeld gerade erst zum Alcoa-Chef ernannt worden ist, heißt es in Branchenkreisen: "Da spielen derzeit natürlich viele Interessen mit hinein."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kleinfeld droht von andere Seite Ungemach

Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Mrd. Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Der Großteil des Geldes ist wohl im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Derzeit gibt es 270 Beschuldigte. Ermittelt wird unter anderem gegen den Ex-Finanzvorstand Heinz Neubürger-Joachim und gegen Thomas Ganswindt, der im Zentralvorstand für den korruptionsverseuchten Telekommunikationsbereich zuständig war.

Bei Kleinfeld gibt es hingegen keine Hinweise auf eine Verwicklung in Korruptionsfälle. Er war im Zuge der Affäre Mitte vergangenen Jahres zurückgetreten. Der Aufsichtsrat wollte seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern, daraufhin nahm er verärgert seinen Hut. Kurz zuvor war bereits Pierer unter starkem Druck als Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten.

In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Alcoa vor seiner Berufung nochmals intensiv seine Rolle im Schmiergeldskandal durchleuchtet und keine Hinweise auf eine Verwicklung gefunden hat. Dennoch dürfte auch das deutsche Ordnungswidrigkeitenverfahren in den USA für Aufsehen sorgen.

Kleinfeld droht auch von anderer Seite Ungemach: Kaum bei Alcoa im Amt, hat er auch dort einen Korruptionsfall auf dem Schreibtisch. Eine Staatsfirma aus Bahrein wirft dem US-Konzern Betrug und Bestechung in großem Stil vor.

Alcoa wird in einer im Februar 2008 eingereichten Klage beschuldigt, Gelder jahrelang über Drittländer an einen hohen Regierungsbeamten des Golfstaats gezahlt zu haben. Ende März hat das US-Justizministerium Untersuchungen aufgenommen. Allerdings betrifft die Klage der Bahrein-Firma Alba Vorgänge aus den letzten 15 Jahren und fällt damit in eine Zeit, in der Kleinfeld noch bei Siemens war.

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