Siemens-Finanzvorstand als Zeuge vor Gericht
Kaeser „hätte schwarze Kassen nie geduldet“

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat im Prozess um den Schmiergeld-Skandal jede Mitwisserschaft um schwarze Kassen und dubiose Zahlungen von sich gewiesen. „Ich hätte solche schwarzen Kassen niemals geduldet, geschweige denn habe ich davon gewusst“, sagte Kaeser am Montag als Zeuge vor dem Landgericht München I. Er war der erste so richtig bekannte Zeuge in dem spektakulären Prozess.

MÜNCHEN. Eines muss Joe Kaeser sofort loswerden. Wie es vor Gericht so üblich ist, will der Richter vom Siemens-Finanzvorstand zu Beginn der Verhandlung wissen, ob er mit dem Angeklagten Reinhard Siekaczek verwandt oder verschwägert sei. Bei einem einfachen Nein belässt er es aber nicht. Er wolle gleich einmal betonen, sagt Kaeser: „Ich kenne Herrn Siekaczek nicht, noch habe ich ihn je bewusst getroffen.“

Das habe er noch gar nicht wissen wollen, dafür sei später noch Zeit, rüffelt ihn Richter Peter Noll. Doch der Mann mit dem auffälligen, nach oben geföhnten Scheitel lässt sich nicht bremsen und gibt umgehend zu Protokoll, dass er nichts von den schwarzen Kassen bei Siemens wusste und diese auch keinesfalls toleriert habe.

Kaeser ist der erste prominente Zeuge im spektakulären Siemens-Schmiergeldprozess vor dem Landgericht München. Zwar waren auch andere bekannte Manager des Technologiekonzerns als Zeugen geladen: Kaesers Vorgänger Heinz-Joachim Neubürger etwa oder der langjährige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer. Sie traten aber nicht auf und beriefen sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, weil gegen sie selbst ein Straf-, beziehungsweise Ordnungswidrigkeitenverfahren läuft.

Kaeser jedoch, selbst seit vielen Jahren im Topmanagement des Konzerns, hat nach dem Stand der Ermittlungen eine weiße Weste. Gegen ihn werde nicht ermittelt, so Staatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl.

Im seriösen, dunklen Anzug tritt Kaeser an diesem regnerischen Montag in München vor das Gericht, hoch konzentriert beantwortet der 50-Jährige die Fragen. Immer wieder streut der Betriebswirt ein „Hohes Gericht“ oder „Herr Anwalt“ in seine Ausführungen ein.

Seine Aussagen laufen immer wieder auf denselben Punkt hinaus: Kaeser will von den schwarzen Kassen nichts gewusst haben. „Mir war das Thema, Herr Vorsitzender, grundsätzlich völlig fremd“, sagt er über das Schmiergeldsystem. Er sei bestürzt gewesen, als er davon gehört habe. „Ich hätte solche schwarzen Kassen niemals geduldet.“ Korruption sei „ein Thema, das in meinen Werten nicht vorkommt“.

Kaeser war von 2001 bis 2004 Bereichsvorstand in der korruptionsverseuchten Kommunikationssparte. Daher hatten viele Siemens-Beobachter gezweifelt, ob er die Affäre überstehen würde. Inzwischen aber ist er das letzte Mitglied des alten Vorstands, das es in die neue Siemens-Welt geschafft hat.

Auch an diesem Montag ergeben sich keine Anzeichen dafür, dass Kaeser über die kriminellen Machenschaften informiert war. Er selbst betont, der Bereich sei so groß gewesen, dass er über einzelne Zahlungsvorgänge oder den Kostenblock der zum Teil mehrere Millionen schweren Provisionszahlungen nicht im Bilde gewesen sei.

Kaeser hat seine Karriere gleich nach dem Studium bei Siemens in Regensburg gestartet. Damals firmiert er noch als Josef Käser, so wird er auch in den Gerichtsakten geführt. Als er für Siemens in den USA arbeitet, nennt er sich in Joe Kaeser um. Zurück in Deutschland behält er den Joe Kaeser bei. Auch wenn er sich gerne weltläufig gibt: Die Herkunft aus dem Bayerischen Wald hat er nicht abgelegt, auch im Gerichtssaal verrät das gerollte „R“ den Niederbayern.

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